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Im deutschen Reich · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. 88

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1908-02-01
Page
88 (sequence 5)
Language
German
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88 Im deutschen Reich. werde. In den Organen Stöckers wird kurz und bündig verlangt, die Leiter des Blocks sollten dafür sorgen, „daß die liberale und speziell die jüdische Unbescheidenheit nicht immer größere Ausdehnung annimmt, daß aber auch die Regierung in Zukunft den g er in g fte n Schein v e r m e t fr c, a l s ob sie die v e r s a s s u n g s g e m ä # c politische Betätigung irgendeines Blockb e st a n d t e i l s durch i h re O r g a n e — und seien es auch nur subalterne! — zugunsten anderer Blockparteien mit behördlicher Gewalt zu beeinträchtigen suche". An den Liberalismus richtet die „Staatsbürger-Zeitung" die nahezu komisch wirkende Mahnung, „den mit ihm affiliierten itrtfr in ihm wirrenden jüdischen Kräften das alte Stöcker wort zuzurufen : „E t w a § mehr Bescheide n heit!" — Gegen „eine v e r f a s s u n g s g e m ä ß e politische Betätigung" der antisemitischen Fraktionen hätten gewiß weder die Regierung noch die liberalen Politiker und am allerwenigsten die deutschen Juden etwas einzuwenden; denn mit einer solchen Betätigung hätte die ganze antisemitische Bewegung ihr Ende erreicht, weil der Kern des antisemitischen Parteiprogramms einfach verfassungswidrig ist! Mit der Mahnung, den jüdischen Politikern das Stöckerwort: „Etwas mehr Bescheidenheit!" zuzurufen, verbindet die antisemitische Presse die Behauptung, das Judentum mißbrauche den liberalen Einschlag der Regierung dazu, alle liberalen Parteien zum Kampfe gegen die Antisemiten scharf zu machen. Dessen bedurfte es nicht; die Anbescheröenhert bcx Antisemiten hat dazu weit mehr beigetragen, als irgendeine jüdische Anregung. Bis in die Kreise der Konservativen hinein sind die antisemitischen Versuche, durch eine lärmende Reklame, durch das Dressieren jugendlicher Schwarmgeister zum Hurraschreien unb durch dreistes Terrorisieren hochgestellter, aber vor der geringsten Verunglimpfung zurückschreckender Männer über die Ohnmacht ihres Anhangs zu täuschen, mitunter sehr übel aufgefaßt worden. Man empfindet in den weitesten Kreisen, daß dieses Treiben nicht nur höchst lästig, sondern durch die beständige Erweckung von Unzufriedenheit in den sonst ruhigsten bürgerlichen Schichten durchaus nachteilig wirkt. Daß die

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