Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Stadtverordnetenwahl in Wreschen
- Date
- 1908-02-01
- Page
- 75 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Stadtverordneten in Wreschen. 75 blieb, die Mehrheit der christlichen deutschen Wühler ihrem Versprechen, getreu und wählte die Herren Apotheker Röstet und Kaufmann Jtzig. Mehrere christliche deutsche Wühler, Ate nicht in der erften Bersarnmlüng erschienen waren, schienen angenonunen zu haben, daß sie an das Kompromiß nicht gebunden seien, obgleich sie wissen mußten, wen sie zu wählen hatten. Das scheint selbst der Verleger des Kreisblattes, Herr Schenke, nicht gewußt zu haben, obgleich er nicht nur das Inserat zur ersten Versammlung mit der Liste der aufgestellten Kandidaten und denn redaktionellen Bemerken veröffentlicht hatte, daß nunmehr alle deutschen Wähler die nominierten Herren wählen sollten. Er selbst wählte zwar Herrn Apotheker Röstet, aber nicht tveu jüdischen Kaufmann Jtzig, sondern beu gar nicht ausgestellten Herrn Hotelier Haenisch. Irr anderen Orten mögen solche Vorgänge begreiflich erscheinen, aber in Wreschen, dem Orte, wo der Schulstreik durch den berüchtigten Krawall seinen Anfang nahm, ist ganz besonders, wie in der ganzen Ostmark, der Antisemitismus die schlimmste Gefahr für das Deutschtum. Daß die Juden in der Wreschener Stadtverordnetenversammlung nad) bestem Wissen und Gewissen zum Wohle der Stadt und ihrer Steuerzahler gewirkt haben, wird kein gerechter Beurteiler in Abrede stellen. Die jüdische Bevölkerung von Wreschen ist nicht mehr so zahlreich wie früher, aber als hier eine große jüdische Gemeinde vorhanden war und die Juden in der erften unh zweiten Abteilung die absolute Mehrheit hatten,- haben sie stets paritätisch gewählt. Sonst Hütten auch nicht heute sechs christlich-deutsche Herren in der Stadtverordnetenversammlrnig Sitz und Stimme erhalten. Jetzt gibt es in dieser 7 deutsche Christen und 7 polnische Christen, aber nur noch 4 Juden. Das Deutschtum wird ans diese Weise in den Ostmarken gewiß nicht gefördert; vielmehr werden in einer Zeit, wo man auf jeden einzelnen Mann rechnen muß, der sein Deutschtum hochhält, die jüdischen Deutschen zurückgestoßen und von solchen, die sich für die Hüter des Deutschtums ausgeben, die Polen bevorzugt. Das ist wohl auch „deutsche Breite"?!' A