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Im deutschen Reich · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. 46

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Straßburg
Date
1908-01-01
Page
46 (sequence 3)
Language
German
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46 Im deutschen Reich. liehen worden sei, veranlaßte die Frage des Statthalters,. ob das Konsistorium noch irgend einen Wunsch habe das Konsistorialmitglied Aron Durlach-Straßburg Folgendes vorZubringen: „Bei der jeweiligen Anwesenheit unseres Kaisers hier in Straßburg werden regelmäßig zu den Festlichketten und Galadiners die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden eingeladen, auch sind stets die höchsten Vertreter der katholischen und protestantischen Konfession zugegen, dagegen hat man noch niemals gehört, daß die Vertreter unserer Religionsgemeinschaft dieser hohen Ehre teilhaftig geworden seien, so daß ich dem allgemeinen Empfinden meiner Glaubensbrüder wohl mir den Worten Ausdruck verleihen darf: „Wir Israeliten fühlen uns in dieser Beziehung gegen unsere Mitbürger anderen Glaubens Zurückgesetzt, und daher wage ich es, Ew. Exzellenz zu Litten, diese Angelegenheit bei Sr. Majestät unserm aüergnädigsten Kaiser gütigst zur Sprache bringen Zu wollen." Der Statthalter versprach, die Angelegenheit Zu prüfen. Auf keinen Fall hätten konfessionelle Gründe bei dieser Umgehung mitgesprochen; es wäre möglich, daß einfache Rangrücksichten in Frage gekommen seien. Nachdem Graf Wedel noch versprochen hatte, den Prachtbau der Straßburger Synagoge Zu besichtigen, verabschiedete sich der Statthalter von jedem einzelnen Mitgliede mit freundlichem Händedruck. V Gießen, 18. Dezember. Der Nationalökonom an der hiesigen Landeshochschule, Professor Biermer, sollte nach einer von Frankfurter Blättern weiter verbreiteten Mitteilung der sozialdemokratischen „Oberhess. Volkszeitung" kürzlich in einer Versammlung des Bürgervereins erklärt haben, „er verzichte auf die Stimmen der jüdischen Bürgerschaft." Herr Professor Dr\ Vi°rmer hat inzwischen der „Frankfurter Ztg." mirgeteilt, er habe der „Oberhess. Volkszeitung" eine preßrechtliche Berichtigung zugesandt. Seine Erklärung habe in Wahrheit dahin gelautet, er verzichte auch in Zukunft auf antisemitische Stimmen, wenn er diese nur dadurch gewinnen könne, daß seine israelitischen Mitbürger ihn nicht mehr wählten. < Gera, 15. Dezember. Für das Jahr 1908 sind hier zwei israelitische Bürger zu Geschworenen und einer zum Schöffen ausgelost worden. Seit 35 Jahren ist dies hier nicht der Fall gewesen.

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