Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1908)
- Article
- Die israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Im deutschen Reich. Jugend zur Bodenkultur den verbreitetsten Vorurteilen gegen die Juden die Spitze abzubrechen. Dieses Zusammentreffen war kein zufälliges; in der gleichzeitigen Begründung des Central- Vereins und der Anstalt in Ahlem bei Hannover kann man eine Bestätigung des Dichterwortes erblicken: „Das was uns blindes Ungefähr nur deucht, gerade das steigt aus den tiefsten Quellen.^ In dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts mußte man sich bei dem Anschwellen der antisemitischen Bewegung endlich sagen, daß die Vogel Strauß-Politik der Juden an der Verschlimmerung der Lage nicht ohne Schuld sei, daß man mit der Behauptung des Mchtoorhandensems einer eigentlichen „Judenfrage" jedenfalls keine Besserung herbeiführen könne. Der Erkenntnis konnte man sich auch nicht verschließen, daß die „Judensrage^ weit weniger eine Religions- oder eine Raffenfrage, als eine Frage der wirtschaftlichen Konkurrenz sei, daß dieser Wettbewerb der Minderheit der deutschen Bevölkerung der Mehrheit um so empfindlicher sein müsse, als die deutschen Juden durch Jahrhunderte hindurch infolge der ihnen auferlegten Beschränkungen auch heute noch nicht in der Lage sind, sich aus 'allen Erwerbsgebieten zu betätigen, sondern, aus wenige ihnen zugängliche Gebiete-zusammengedrängt, in diesen eine Konkurrenz bilden, die mit ihrer Bevölkerungsziffer in einem gewissen Mißverhältnis steht. Hierin Wandel zu schaffen, erschien vielen als eine dringende Notwendigkeit, auch der Gedanke, die Juden in Zukunft möglichst von dem Handel fern zu halten und dem Handwerk und. dem Ackerbau zuzusühren, wurde vielfach in Erwägung gezogen und in mannigfachen Versuchen betättgt. Alexander Moritz Simon in Hannover beschäftigte sich frühzeitig eingehend mit diesen Fragen, und als der Central-Verein mit der Losung „Selbstverteidigung^ begründet wurde, für die er sich begeisterte, ehe er aus meine direkte Veranlassung dem Verein als Mitglied beitrat, befestigte sich in ihm auch bezüglich der so schwierigen Berusssrage die Überzeugung von der „Selbsthilfe des Judentums^. Als praktischer Denker erfaßte er sofort, daß man nicht ohne weiteres älteren Leuten, die in ihrem Berufe nicht vorwärts kommen konnten, Spaten und Hacke in die Hände drücken und sie in Landarbeiter umwandeln konnte. Er war es, der zuerst für den richtigen Satz eintrat, daß man zum Landmann erzogen werden, daß eine israelitische Erziehungsanstalt gegründet werden müsse, in der