Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- Die Ethik des reinen Willens [Rezension]
- Date
- 1907-12-01
- Page
- 725 (sequence 2)
- Language
- German
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Vücherschau. 725 zentrisch dem Staatenbunde der Menschheit eingeordnet ist. Das aber ist der Sinn der Religion der Propheten, und darauf beruht der Fortbestand des Judentums, daß es den Staatenbund der Menschheit Vorbereitet in der wessianischen Idee der Vereinigten Menschheit. Es ist nicht die Anhänglichkeit an eine tausendjährige geschichtliche Besonderheit, welche das geschichtliche Rätsel von dem Fortbestände des Judentums Zu erklären vermöchte; sondern es ist die Kraft der UeberZeugung, daß eine Art von wahrhafter Allheit durch diese geschichtliche Idee vertreten wird. Aus dieser Allheit stammt die Ehre, die der Jude aus seiner Religion für sein Selbubewußtsetn schöpft. Und nun wird diese Ehre, eine wahrhafte Ehre, von demselben Blute, wie die Ehre des Vaterlandes, mit allen Mitteln und in allen Formen der Verkennung und der Abneigung angegriffen. Shakespeare hat in einem Drama, das an der Grenze der Komödie liegt, mit einer der Komödie durchaus angemessenen Psychologie verfahren, indem er die Geschichte, die von einem Christen berichtet wird, aus Shylok umdeutet, um nach der Weise des Mittelalters für die beleidigte Ehre die Rache eintretm zu lassen. Das aber ist nicht der Weg der Sittlichkeit. So würde die Ehre Zu einem Reizmittel des Lasters. Das kann nicht die echte Ehre sein. Das SelbstbewußLsein des Juden diesen furchtbaren, unaufhörlichen, beinahe jeden Schritt seines bürgerlichen Lebens begleitenden Angriffen gegenüber hat die wahrhafte Ehre als Affekt Zu suchen und Zu behaupten. Der Staat allem kann für die sittliche gegenseitige Würdigung der Bekenner der beiden Religionen die Kenntnis, die Einsicht, die Unparteilichkeit, die Sympathie heranbilden, welche die Glieder des Staates in Eintracht verbinden muß. Auf den Staat setzt der Jude auch seine Hoffnung, wo und wie immer er in seiner Ehre getroffen wird. In dem Staats erkennt er keinen Widerspruch gegen seine Religion, sondern vielmehr das Einvernehmen mit ihr. Denn seine Religion hat nicht bloß den Staat verloren, sondern ihn auf gegeben; die Propheten haben den Staat preisgegeben, um die Menschheit Zu gewinnen. Der Staat aber, obzwar er des Vehikels der Nation sich bedienen darf und bedienen muß, um vermittelst der nationalen Einheit die Einheit des Staates zu begründen, der nationale Staat selbst darf keinen methodischen Widerspruch bilden gegen den Staatenbund der Menschheit. Hinter dem Rechte der einzelnen Staaten steht das Völkerrecht,