Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. 718

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
Die Bezeichnung "Jüngling hebräischer Abkunft"
Date
1907-12-01
Page
718 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316765-2339198--17184-2339299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

718 Iw deutschen Reich Abkunft" öffentlich zu bezeichnen, wenn nur nach der Meinung des Gerichts „das äußere Aussehen" dazu geeignet ist. Konfessionelle Pässe. Dem „Fränkischen Kurier" wird non einer angesehenen Nürnberger Firma berichtet: „In Deutschland ist es ungesetzlich, das ReligionsbekennLnis dem Paß beizufügen; die Erfüllung dieser russischen Forderung bedeutet eine Umgehung des Gleichheitsprinzips. Wenn es nun damit abgetan wäre, so wäre das zwar bedauerlich vom ethischen Standpunkt, aber schließlich zu ertragen. Allein durch diese amtlicherseits gestattete Kennzeichnung der Religion wird qer russischen Willkür Vorschub geleistet; es werden non den Reisenden jüdischen Glaubens erpresserische Abgaben eingezogen, es werden ihnen Beschränkungen und Unannehmlichkeiten persönlicher Art auserlegt, denen der Reisende christlichen Glaubens und der jüdische Angehörige der englischen, amerikanischen und französischen Nation nicht ausgesetzt ist, weil diese Nationen einen Unterschied in der Paßbehandlung ihrer gleichberechtigten Staatsbürger nicht gestatten. Seit 20 Jahren reise ich besonders nach Russisch-Polen. Ich habe Zu wiederholten Malen die Unannehmlichkeit gehabt, daß mein Paß, der bei der Ausreise aus Rußland das Visum der Polizei der letztbesuchten russischen Sradt tragen muß, mir nicht erteilt wurde mit der Angabe: „Wir visieren keinen jüdischen Paß, damit müssen Sie in die GouvernementsstadL fahren!" Da das Gouvernement häufig eine Lagreise entfernt ist, kann man sich denken, welche Kosten und Zeit hieraus verwendet werden müssen, abgesehen von den Gefühlen, die man empfindet, wenn es heißt, „jüdischer Paß" statt „deutscher Paß". Es sind acht Tage her, da erhielt ich in Rußland meinen Paß wieder Zurück mit dem Bemerken: „Jüdische Pässe visiere ich nicht, Sie müssen nach Warschau!" Ich harte nach Warschau 6 Stunden Bahnfahrt, dort IV2 Tage Aufenthalt, da Uebernachten erforderlich ist, und wieder IO Stunden Bahnfahrt Zurück, da mein Reiseziel irr ganz anderer Richtung lag. Um Liese schwerwiegende Unannehmlichkeit und auch um Zeit und Geld zu sparen, begab ich mich selbst auf das Polizeibureau der betreffenden Stadt, konnte jedoch keinen anderen Bescheid erzielen, und es, versagte auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.