Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-12-01
- Page
- 691 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 691 die österreichischen Christlich-sozialen, Lei jeder Gelegenheit ihre UeLereinstimmung mit den antisemitischen Agrariern bekunden. Im österreichischen Parlament, das jetzt mit zwei neuen Ministern zu tun hat, die der christlichsozialen Partei entnommen sind, dem Ackerbauminister vr. Ebenhoch und dem Minister ohne Porteseuille Hofrat Geßmann, hat der von schwerer Krankheit wieder genesene Wiener Bürgermeister Lueger die Erneuerung seiner parlamentarischen Tätigkeit für die Christlich-sozialen recht ergötzlich gestaltet. Er gab nämlich einzelnes aus seinen staatsmännischen Verhandlungen mit den rumänischen Judenfeinden zum Besten und stellte die witzig sein sollende Behauptung auf, daß es in Rumänien gar nicht habe zum Blutvergießen kommen können, weil die Juden stets rechtszeitig dävönliesen. Bon feigen Juden in Rumänien und Rußland hat man bisher noch nichts gehört, vielmehr haben die Antisemiten sie bisher immer als gefährliche Revolutionäre hingestellt. Herr Lueger glaubte vielleicht vor einem Wiener Vorstadtpublikum zu stehen, als er solche im Liebermannschen Redestil gehaltenen Witze losließ, die wirklich zum „Davonlausen" waren. Ernster ausgenommen wurde bei der ersten Lesung der Ausgleichsdebatte eine zweistündige Rede des Abg. Dr. Strauch er, in der er die Forderung stellte, den österreichischen Juden gleiche Rechte und die staatsgrundgesetzlich gewährleistete nationale Gleichberechtigung nicht länger vorzuenthalten. Er schloß mit den beifällig aufgenommenen Worten: „Nicht bei der Regierung wollen wir ewig um unsere Rechte betteln — hier im Volkshause ist der Platz, wo wir unsere Klagen Vorbringen, unser Recht verlangen, von Ihnen, die Sie im Besitze der Macht sind, und die Sie durch das Gewicht Ihrer Stimmen und Ihrer Parieistärke darauf Einfluß nehmen können, damit endlich das Staatsgründgesetz zur Wahrheit werde, und zwar auch gegenüber den Juden, den unterdrückten, verhöhnten und verfolgten Juden." Eine ähnliche Standrede wird in der neugewählten russischen Volksvertretung, die eine den Wünschen der Regierung entsprechende große Mehrheit enthält, in der dritten Dnma kaum gehalten werden können, auch wenn sie gehalten würde.