Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-12-01
- Page
- 690 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316765--17108-2339271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
690 Im deutschen Reich. „historische Autisemiten-Petitiou" aus, die bei der sogenannten Berliner Bewegung vor 25 Jahren zu Stande gebracht wurde und den Riesenerfolg hatte, daß Fürst Bismarck die Ueberbringer bitten ließ, sie bei seinem Portier abzugeben. Jetzt verlangt das Stöckerblatt, daß die Antisemiten die Staatsverwaltung wieder dringend ersuchen, das deutsche christliche Volk davor zu bewahren, von jüdischen Offizieren kommandiert, von jüdischen Richtern gerichtet und hier und da auch von jüdischen Lehrern unterrichtet zu werden. Wollte die Verwaltung dieser Forderung nachgeben, so würde sie nur eine erneuerte Prämie auf die Taufe setzen. Das entspricht dem Geschmacks der Stöckerpartei aber auch nicht, deshalb ist ihr Organ so freundlich, seine Standrede mit dem Hinweis auf die „Warenhäuser" zu schließen, die den Juden ja offen stehen würden. Wahrscheinlich meint sie aber auch nur solche Juden, die keinen Anstoß daran nehmen, daß die Organe Stöckers im Leitartikel gegen die Warenhäuser hetzen und auf der letzten Seite ihrer Blätter gegen gute Bezahlung ihnen einen Platz einräumen! So wenig judenfreundlich die Haltung der meisten ultramontanen Blätter ist, sind sie doch zumeist der Ansicht, daß es tatsächlich eine bedenkliche Anleitung zur Gesinnungslosigkeit bedeutet, wenn das Auswahlrecht der Regierung zur generellen Ausschließung der Juden mißbraucht wird, den von ihrem Glauben abfallenden Juden aber sich die staatliche Laufbahn in Verwaltung, Justiz und Heer erschließt. Die katholische „Reißer Zeitung" erklärt rund heraus: „Wenn man einem Juden nahelegt, er soll sich taufen laffen, dann käme er vorwärts, so liegt hierin eine Niederträchtigkeit. Das steht ganz auf derselben Höhe, wie wenn man zu Katholiken sagt, sie sollten Mischehen mit protestantischer Kindererziehung eingehen, dann würden sie schneller aufrücken." Es wäre falsch, deshalb auf eine vorurteilslose Beurteilung der Judenfrage durch alle Organe des Zentrums zu schließen. Einzelne Blätter dieser Richtung ergehen sich vier hr in so widerlichen Ausfällen gegen die Juden, daß sie sogar der „Deutschen Tageszeitung" willkommenen Stoff liefern. Besonders ist bei solchen klerikalen Organen der Fall, die, wie z. B. die »Rheinische Volksstimme" in ähnlicher Weise wie