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Im deutschen Reich · 1907-12-01 · Heft 12 (Dezember 1907) · p. 682

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 12 (Dezember 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-12-01
Page
682 (sequence 2)
Language
German
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682 Im deutschen Reich. es als ihren Berns betrachten, die Sumpfpflanze des Antisemitismus zu züchten. Vielfach haben die Antisemiten versucht, aus den traurigen Vorkommnissen in Kreisen, von - denen bekanntlich die Juden vollständig ausgeschlossen sind, für ihre fast ebenso traurige Parteisache Kapital zu schlagen. Dafür hatten sie keinen anderen Anhalt, als daß der Herausgeber der »Zukunft", Maximilian Harden, den einst Fürst Bismarck, wenn auch nur vorübergehend, als Sprachrohr benutzte und mitunter (angeblich auch bei dem gemeinsamen Leeren der »Versöhnungsflasche") einer ausfallenden Vertraulichkeit Würdigte, jüdischer Abstammung ist und für den Moltke-Prozeß seine Verteidigung einem süddeutschen Rechtsanwalt anvertraute, der zwar schon vor 12 Jahren aus dem Judentum ausgetreten und konfessionslos ist, aber den Rassefanatikern immer -noch als »Jude" gilt. Sicher berechtigt dies die judenfeindliche Zeitung »Post" nicht zu der Behauptung, daß bei diesem doch nur durch schwere sittliche Verfehlungen in den von ihr -stets hochgepriesenen Kreisen veranlaßten Skandalprozeß ^germanische Geistesrichtung" und »jüdische Rabulistik" sich bekämpft hätten. Bekanntlich wurde Harden weder in . der jüdischen Fachpresse noch in den politischen Blättern, die von Juden herausgegeben werden, als Staatsretter gepriesen, sondern eher recht unglimpflich behandelt. Die »Breslauer Ztg." schrieb: »Man soll uns nicht mit dem »großen Patrioten" Harden kommen. Wer Harden eigentlich ist, das hat er gezeigt bei der Dreyfus- Asfaire, als jenseit der Vogesen der schäbigste und verbrecherischste Antisemitismus wahrhafte Orgien feierte, und Harden, in schnöder Verleugnung feiner Abstammung, dadurch, daß er jenen Antisemitismus in Deutschland propagierte, sein angetauftes Christentum vor einem.hohen Adel und verehrlichen Christentum vorteilhaft in Kurs zu setzen versuchte." Dieses Verhalten Hardeas hat die »Kreuzztg." nicht gehindert, den Glanbenswechsel, der sonst ihr, wie leider auch der Staatsverwaltung, als Freibrief gilt, bei dem Gegner eines Grafen Moltke nicht zu respektieren. Sie hat beständig gegen den »Juden Harden" geeifert und die ihm von dem »Verein Berliner Journalisten" gewidmeten Huldigungen als ausschließlich von jüdisch-en Reportern herrührend bezeichnet, eine willkürliche Behauptung, deren Richtigkeit sich in keiner Weise Nachweisen lassen würde. Beinahe komisch berühren jedoch die antisemitischen

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