Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 639 (sequence 2)
- Language
- German
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Jfomfpcnb engen. ö.aa legeniiiüj der letzten Reichstagswahl für Ihre Kandidatur eingetreten ist, so glauben wir ein gewisses Recht zu haben, uns in der folgenden Angelegenheit an Sie zu wenden. Der Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens steht unserer Organisation, die keine Juden aufnimmt, sich aber von jeder Betätigung des Antisemitismus grundsätzlich sernhält, feindlich gegenüber. Er geht in seinem Fanatismus soweit, den jüdischen Chefs die Entlassung der Mitglieder unseres Verbandes zu empfehlen. Die Haltung des genannten Centralvereins hat uns nicht sonderlich empört. Tief empört hat es uns aber, daß das Zentralorgan der Freisinnigen Volkspartei, die »Freisinnige Zeitung", in ihrer Nummer vom 4. Oktober den Beschluß des Centralvereins nicht nur abdruckt, sondern auch durch Hinzusügung der Worte »mit Recht" zu erkennen gibt, daß sie diese brutale Aufforderung zur Maßregelung Andersdenkender billigt! Sie können sich darum vorstellen, wie diese Verleugnung aller liberalen Grundsätze in den Kreisen unserer Kollegen gewirkt hat. Hatte die »Freisinnige Zeitung" irgend etwas an den Bestrebungen unseres Verbandes auszusetzen, so stand es ihr frei, ihrer Meinung in einer anständigen Form Ausdruck zu geben. — Als nicht anständig, um uns nicht schärfer auszudrückm, müssen wir es bezeichnen, daß die »Freisinnige Zeitung" es befürwortet, eine abweichende Meinung dadurch zu unterdrücken, daß man unsere Mitglieder auf die Straße setzt! Sollte infolge der Haltung der »Freisinnigen Zeitung" hier auch nur eine einzige Maßregelung Vorkommen, würde von seiten deutschnationaler Handlungsgehilfen wohl keine freisinnige Stimme je wieder abgegeben werden. Viele unserer Mitglieder haben sich besonders bei der Stichwahl sehr ernstlich um Ihre Wahl bemüht, und sie glauben es nicht verdient zu haben, daß sie jetzt von seiten Ihrer Partei in ihrer Existenz bedroht werden. Zu der Notiz der »Freisinnigen Zeitung" (Abschrift legen wir bei) bemerken wir noch, daß die Fassung, soweit es sich um Vorwürfe gegen unfern Verband handelt, durchaus irreführend ist. Gewiß haben wir Antisemiten in unfern Reihen; welcher größere Verein hat das aber nicht? Wenn im Handlungsgehilfenstande verhältnismäßig viele Antisemiten sind, so ist das doch nicht unsere Schuld, sondern dürste ganz andere Gründe haben. Ganz unbegründet ist der Vorwurf der Spionage in