Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 11 (November 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-11-01
- Page
- 635 (sequence 15)
- Language
- German
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Umschau. 635 samtheit von hem Antisemitismus schwer geschädigt wird, von jenen »Knechten, die andere zu Knechten machen wollen." Für düs Vaterland ist jeder freiheitlich gesinnte Bürger und somit jeder deutsche Jude bereit, Opfer Zu bringen, auch solche, die nötig sind, um durch den »Block" eine friedlichere Entwicklung der inneren Verhältnisse des Reiches und Kräftigung seines Ansehens nach außen hin Zu ermöglichen. Das Opfer aber soll man dabei von den deutschen Juden niemals verlangen, daß sie Leuten zu Macht und Einfluß verhelfen, die Religion oder Abstammung der Juden schmähen, auch beständig ihr Anrecht auf volle Gleichberechtigung als deutsche Staatsbürger in Zweifel ziehen. Kein Opfer darf von jüdischer Seite für die Erhaltung des Blocks gebracht werden, wenn die maßgebendm Führer über den Kops der jüdischen Kampfgenossen hinweg Kompromisse mit den Judenfeinden schließen sollten, durch die diese die Klinke der Gesetzgebung in die Hand bekommen! Zur Wahrheit werde, was das Dresdner AntisemitenblaLt höhnisch schrieb, »Jude fühlt sich!" Unsere Zahl ist nur klein aber im Gefühl unseres Rechts sind wir stark. Wir fühlen es, daß wir in Deutschland keine Front verunzieren; wir fühlen es, daß einzelne Juden Len Parlamenten weit eher zur Zier gereichen würden als manche Herausgeber von Skandalblättern und agrarische Zirkusredner mit abgedroschenen Pöbelwitzen. Wir fühlen es, weil wir beständig dem Vaterlands pflichtgetreu Opfer bringen, ohne um Pfründen zu betteln oder Liebesgaben zu ertrotzen. Und in dem Sinne wollen wir uns auch ferner als gutdeutsche Juden erweisen — mehr aber verlange man von uns nicht! Für das deutsche Vaterland Gut und Blut zu opfern, sei stets der Jude bereit; nie aber darf er seine Rechte und Mannesehre opfern. Ein Jude, der aus Anhänglichkeit an seine Fraktion die Wahl eines Judenfeindes fördert, kann sich nicht damit entschuldigen, daß er es getan, weil man ihm versichert habe, daß alle Zusammenhalten wüßten, um einen Feind des Vaterlandes erfolgreich zu bekämpfen. Auf solche. Weise ist der Block nicht zu erhalten; denn für ihn ist derAntisewitismus keinMörtel, sondern das Ferment der Zersetzung. Die antisemitische Bewegung hat dem Lande nur Unheil und Unehre gebracht; sie treibt dahin, guten Bürgern schweres Unrecht zuzufügen; sie bannt die Freiheit, verhindert die Gleichheit und stört den mneren Frieden. Die Frevler sind wie em aufgeregtes Meer; mit