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Im deutschen Reich · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. 622

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-11-01
Page
622 (sequence 2)
Language
German
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622 Im deutschen Reich. weine Trauer entstammt der Empfindung, daß mit dem Verstorbenen einer der edelsten aus der Reihe der deutschen Fürsten geschieden ist, der zur Begründung des deutschen Reiches wesentlich beigetragen hat, ein Monarch, der seinem Programm: „Ich kann nicht finden, daß ein trennender Widerspruch Zwischen Fürstenrecht und Volksrecht besteht"allzeit getreu geblieben,und erfolgreich bestrebt gewesen ist, es durch eine freisinnige und wahrhaft nationale Gesinnung Zu verwirklichen. In ihm verkörperte sich dadurch das Wort des Propheten Hosea: „Er säete Gerechtigkeit und erntete Liebe!" Bis zum letzten Atemzuge war Großherzog Friedrich I treu sich selbst, treu seinem Volke und treu dew gesamten deutschen Vaterlande. Das haben die Juden Badens, und nicht nur diese, sondern alle deutschen Juden immer dankbar empfunden. Als in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger des Großherzogiums Badens einer ihrer norddeutschen Glaubensgenossen, Gabriel Rieß er, in Wort und Schrift mit glühendem Eifer eintrat, widmeten sie ihm sein von Künstlerhand geschaffenes Bildnis zum Zeichen dauernder Dankbarkeit. Rießers damals an den badischen Landtag gerichtete Schriften find sicher nicht ohne Einfluß auf das spätere Verhalten des Großherzogs geblieben. Die tiefe Trauer der badischen Juden bei dew Heimgang ihres hochsinnigen Landesherrn, der nicht nur die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden verkündete, sondern sie, allen widerstrebenden Gewalten trotzend, verwirklichte, nicht nur durch Worte, sondern durch Taten „Gerechtigkeit säete", beweist, daß dieser hochsinnige Monarch besonders in ihren Kreisen die innigste Liebe geerntet hat, und bei ihnen sein Bild unauslöschlich bleiben wird. Unvergessen soll und wird es bleiben, daß Großherzog Friedrich I. sich niemals einreden ließ, daß eine Einschränkung der Rechte jüdischer Landeskinder durch das Staatsintereffe geboten sei, unvergeßlich, daß dieser Fürst kein Bedenken trug, den Juden Moritz Elstätter ohneBeibringung des Taufscheines zum Finanzminister und schließlich auch zum Bundesbevollmächtigten zu machen und ein Vferteljahrhundert hindurch im badischen Staatsdienst Zu behalten. Unvergessen wird es bleiben, daß dieser aufgeklärte Fürst sich nicht nur Berthold Auerbach, sondern auch andern einzelnen Juden gegenüber bei jeder Gelegenheit schroff g 'gen die antisemitische Hetzerei wandte und insbesondere im Jahre 1890 in Mannheim

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