Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Eckstein [Rezension]
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 596 (sequence 3)
- Language
- German
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596 Im deutschen Reich. Gesetze von fast allen anständigen Gewerben ferngehalten, sich Zum größten Teil durch Geldgeschäfte ernährten, doch durchaus nicht die einzigen mittelalterlichen Wucherer waren. Dies geht nämlich aus einem Aufträge des Markgrafen Albrecht Achill an seinen Gesandten bei der Kurie im Jahre 1472 hervor. Der Gesandte erhält den Auftrag, ein Verbot des Papstes gegen den Wucher der Geistlichkeit Zu erwirken, der so arg wäre, daß sich die Juden beklagten, sie könnten sich infolge der Konkurrenz nicht mehr ernähren. C. G. Gedanken und Wahrheiten zur Judenfrage. Eine soziale und politische Studie von Dr. oec. pnbl. Hans R o st. Trier 1907. Druck und Verlag der Paulinus-Druckerei. Preis 1,20 Mk. Der Verfasser erwähnt gleich im Vorworte, daß das Motiv Zur Abfassung seiner Schrift nicht Judenhaß gewesen sei, sondern eher Mitleid mit dem „schicksalschweren Sein" der Judenmasse. Das klingt ganz schön. Lieft man aber in dem Buche weiter, so findet man unter dem Mäntelchen strenger Wissenschaftlichkeit ein Ragout, bestehend aus sämtlichen antisemitischen Schlagworten vom Altertum bis in die neueste Zeit. Es ist interessant, wie der Verfasser es verstanden hat, die ältesten und oft widerlegten Vorwürfe gegen die Juden mit neuem Material an Zahlen und Literatur zu belegen und so den unerfahrenen Leser einzufangen. Das Buch beschäftigt sich hauptsächlich mit dem sogenannten sozialen Antisemitismus. Der Umgebungskreis, aus dem es stammt, ist offenbar die Zentrumspartei; manches in antisemitischen Zentrumsblättern regelmäßig aufgetischte Material findet sich hier wieder in sozialwissenschaftlich verbrämter Form. Der Verlag, die Paulinus- Druckerei in Trier, ist außerdem meines Wissens Eigentum des bekannten Kaplans Dasbach und inhaltlich das Buch auf die Forderungen vieler, hauptsächlich süddeurscher Kreise des Zentrums direkt Zugeschnitten; alles spricht also dafür, daß es sich um einen Verfasser handelt, der maßgebenden Kreisen der antisemitischen Richtung des Zentrums nahesteht. Wer den Zentrums-Antisemitismus kennen lernen will, wird die Schrift lesen müssen. Im Gegensatz zu vielen Aeußerungen protestantischer Judengegner hat der antisemitische