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Im deutschen Reich · 1907-10-01 · Heft 10 (Oktober 1907) · p. 585

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 10 (Oktober 1907)
Article
Berlin
Date
1907-10-01
Page
585 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 585 gehörigen darbten oder nicht mehr zu finden waren, weil man die Frauen, deren Männer fern von derHeimat kämpften in barbarischer Weise ausgetrieben hatte. Daß einzelne polnische und russische Juden, deren Weiber und Kinder verhöhnt, beraubt, vertrieben, geschändet oder gemordet worden, sich in wahnsinniger Verzweiflung den „christlichen Terroristen" angeschlossen haben, ist gewiß sehr bedauerlich aber wohl erklärlich; die Zahl der jüdischen und christlichen Meuchelmörder in den Reihen der Revolutionäre dürfte aber klein sein im Verhältnis zu der Zahl der nichtjüdischen Feiglinge, die zu den Meuchelmorden in Kischinew, Homel, Siedlce, 'Odessa, Lodz u. a. O. nur den erbärmlichen Mut hatten, weil sie wußten, daß ihre Opfer keinen Schutz bei den Behörden finden würden, die vielfach sogar die Selbstverteidigung der Juden unmöglich machten. Wo der Jude menschlich behandelt wird, wird er an Pflichttreue und Mannesmut hinter keinem Anderen zurückstehen. Wie man dies bezweifeln kann — das finden wir eigentümlich! Die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" hat in einem „Germanisches oder asiatisches Museum für Berlin" überschriebenen Artikel Partei für den Kunstschriftsteller Willy Pastor ergriffen, der sich als Vollblut-Arier veranlaßt gefühlt hat, den von dem Generaldirektor der Berliner Museen, Geheimrat Wilhelm Bode, ausgearbeiteten Plan einer Vereinigung der Berliner Museen deshalb als verkehrt zu bezeichnen, weil er geeignet sei, dem deutschen Volke die „arische Kultur" als von der „orientalischen" abhängig darzustellen. Ueber den geplanten Aufbau des größten deutschen Museums schreibt die „Deutsche Tageszeitung": „In schweren Kämpfen haben wir uns in den letzten Jahrzehnten von dem alten kulturgeschichtlichen Grundirrtum befreit, daß die Kultur der Arier ein Seitentrieb und Abkömmling der orientalischen Kultur ist. Wir wissen heute, daß es nur die fast unbegreifliche Voreingenommenheit früherer Zeiten fertig gebracht hat, die germanische Kultur, von der alle übrigen Kulturen gezehrt haben, als einen unfreien Ableger und eine Weiterbildung assyrisch-semitischen Volkstums aufzufassen. Nur eine vollkommene Unkenntnis der sprachlichen und staatlichen Entwickelung, sowie ein gänzlicher Mangel der Kenntnis europäischer Urzeit konnte die lächerliche Vorstellung aufkommen lassen, daß erst mit der Völkerwanderung die bis dahin „halb-

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