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Im deutschen Reich · 1907-09-01 · Heft 9 (September 1907) · p. 514

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 9 (September 1907)
Article
Berlin
Date
1907-09-01
Page
514 (sequence 5)
Language
German
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Braunschweig von dem Eingreifen seines neuen Regenten erwartet werden, gehört auch die Beseitigung eines alten konfessionellen Unrechts inbezug'auf die jüdischen Staatsangehörigen. Es ist dies die prinzipielle Uebergehung der jüdischen Rechtsanwälte bei Besetzung der Notariatsstellen. Die Erteilung des Notariats geschieht in Braunschweig rein nach dem Dienstalter der Rechtsanwälte, so daß die Uebergehung eines einzelnen nur bei besonderen persönlichen Gründen erfolgt. Solche Gründe scheint die Regierung aber bis jetzt in der Zugehörigkeit zum Judentum erblickt zu haben, denn in den letzten zwanzig Jahren sind die jüdischen Rechtsanwälte, trotzdem bei jeder neuen Vakanz Meldungen derselben zum Notariat Vorlagen, grundsätzlich bei der Besetzung übergangen worden. Zurzeit sind einige ältere jüdische Rechtsanwälte in der Stadt vorhanden, die ihrem Dienstalter nach längst Notare sein müßten. Daß bei dieser Uebergehung nur die Konfession maßgebend gewesen ist, geht daraus hervor, daß diese Anwälte allgemein große Achtung genießen und zum Teil sogar dem Vorstande der Anwaltskamwer angehören." — Hierzu hat die »Deutsche Tageszeitung" bemerkt: »Wir meinen allerdings, daß nach Lage der Dinge die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte zum Notariat nicht grundsätzlich abzulehnen sei, wohl aber halten wir für nötig und zweckmäßig, daß nur so vicke jüdische Notare ernannt werden, wie es dem Anteile der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung entspricht." Grundsätzlich ablehnend hat sich das antisemitisch angehauchte Organ des Bundes der Landwirte nicht gut verhalten können; hat ja der langjährige Präsident des Bundes, Herr v. Plötz, seine eigenen Angelegenheiten stets einem jüdischen Notar anvertraut. Unter der Spitzmarke: »Die Verjudung des Schrifttums" äußert sich die »Deutsche Tageszeitung": »Zu der Nachricht, daß an Stelle von Geheimrat Dr. Rochus von Liliencron die Leitung der »Allg. deutschen Biographie" dem Wiener jüdischen Gelehrten Dr. Anton Bettelheim übertragen worden ist, schreibt die »Deutsche Zeitung": „Daß nun in Zukunft auch die Nekrologe aller hervorragenden Deutschen von Juden und Judengenossen geschrieben werden sollen, ist doch ein starkes Stück. Als Lebender läßt man sich ja manches gefallen, aber im Tode will man zu seinem Recht kommen." Herr Br. Bettelheim wird diesem bescheidenen Verlangen gewiß gern

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