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Im deutschen Reich · 1907-09-01 · Heft 9 (September 1907) · p. 496

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 9 (September 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-09-01
Page
496 (sequence 2)
Language
German
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496 Im deuljcyen Reich. Bevorzugung des Judentums aufhören"', war wohl für das gedachte Blatt eine Notwendigkeit, wenn es sich nicht mit dem antisemitischen Parteiprogramm vollständig in Widerspruch bringen wollte. Eine solche Bevorzugung ist weder in irgend einem Lande der Welt vorgekommen, noch je von Juden angestrebt worden. In Bezug auf die Auslegung der Gesetze, aus die Strafabmessungen und aus die Verwaltungspraxis wäre weit eher das Gegenteil zu behaupten, wenn nicht, wie z. Bin Preußen, die guten Traditionen des Richterstandes und des gesamten Beamtentums beständig ein heilsames Korrektiv gegen die korrumpierenden Einstüsse der antisemitischen Agitation auf die akademische Jugend bildeten. Wenn trotzdem von antisemitischer Seite behauptet wird, daß den Juden nicht die Rechtsgleichheit verkümmert, sondern nur die soziale Gleichberechtigung abgesprochen werden soll, ist dies eine reine Spiegelfechterei; denn die Richter sind Menschen wie andere und stehen als solche unter dem Eindrücke der gesellschaftlichen Verhältnisie, so daß, wenn man den! deutschen Juden nicht vollständig als gesellschaftlich gleichberechtigt, j anerkennt, seine Rechtsstellung zweifellos dadurch ungünstig beeinflußt werden kann. Es gibt kein halbes Recht und keine halbe Freiheit. Wenn man davon nicht alles hat, dann hat man eben nichts. Wer gleichberechtigten Menschen von diesen höchsten Erdengütern nur Bruchstücke zugesteht, der kränkt sicher nicht nur die Betroffenen, sondern das Recht selbst, und das muß sich schließlich an ihm selbst rächen; denn es werden, wenn einmal die Rechtsgleichheit durchbrochen ist, sich immer Höhergestellte finden, die sein Anrecht anzweifeln. Aus diesen Gründen ist der Kampf der Juden für die Verwirklichung ihrer Gleichberechtigung nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Lösung der sozialen Frage, sondern auch ein Kampf für die Menschenrechte. Ein vollständiger Erfolg der antisemitischen Bewegung wäre gleichbedeutend mit der allgemeinen Rechtlosigkeit und einem Rückfall in die ödeste Unkultur. Mit dem Rassendünkel und der „Herrenmoral"' wird die Kultur nicht gefördert, werden die Rechtsbegriffe nicht geläutert, sondern gründlich verdorben. Der Kampf ums Recht ist die höchste Kulturaufgabe; er muß, indem er für die Juden geführt wird, stets mit dem Bewußtsein geführt werden, daß er ein „Kulturkampf"' im besten Sinne des

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