Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- Die sozialen Voraussetzungen der antisemitischen Bewegung in Deutschland
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 495 (sequence 23)
- Language
- German
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Umjittau 495 wenn nicht auch in weiten anderen Kreisen gewisse Rasseninstinkte, die auf gleiche oder ähnliche subjektive Antipathie gestimmt waren, von Einfluß gewesen wären. Der Politiker unserer Tage hat mit solchen wirtschaftspolitischen Stimmungen auch dann zu rechnen, wenn er ehrlich davon überzeugt ist, daß nicht volkswirtschaftliche Einsicht, sondern einseitiges Generalisieren und der Haß gegen besonders prononzierte Typen der neuesten wirtschaftlichen Entwickelung den Grundton der Stimmung und Verstimmung abgegeben haben." Hieraus mögeersehen werden, wie gefährlich diese sogenannte Mittelstandsbewegung nicht nur für das Judentum, sondern für den ganzen Fortschritt ist, und wie man deshalb vor ihr, mag sie in noch so judensreundlichem Gewände auftreten, auf der Hut sein muß. (Schluß folgt). Umschau. Mor wenigen Monaten hat der österreichische Ministerpräsident Freiherr v. Beck die programmatische Erklärung abgegeben, auf dem Boden der Gleichheit aller vor dem Gesetze ohne Unterschied der Nationalität, des religiösen und politischen Bekenntnisses zu stehen. Die Wiener Antisewitenpresse, die doch alle Hebel in Bewegung setzt, um durch Entfachung des Religions- und Rassenhasses diese Gleichheit zu einer Illusion zu machen, fand sich der ihr unwillkommenen ministeriellen Aeußerung gegenüber mit der zur Beschwichtigung ihrer Anhänger dienenden Erklärung ab, daß der Chef einer Regierung selbstverständlich an den Wortlaut des Staatsgrundgesetzes gebunden sei. Eines dieser Antisemitenblätter ging aber etwas weiter und meinte: „ . . . . Die Rechtsgleichheit soll von uns absolut nicht angetastet werden; wir würden im Gegenteile viel mehr wünschen, daß endlich wirklich eine Gleichheit aller vor dem Gesetze durchgeführt werden würde." Daß an diese vernünftige Auslassung die gewiß jedem Unbefangenen lächerlich erscheinende Bemerkung angeknüpft wurde, „dann würde jede