Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 432 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316761-2338544--16623-2338658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Im oeutschen Reich. 4 ) Korrefpsrrdrttzrtt. X Berlin, 20. Juni. In einer Versammlung des .Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Berliner jüdischen Gemeinde" Hai der Landtagsabgeordnete Justizrat Cassel am IO. Juni eine Rede gehalten, in der er auf den hervorragenden Anteil der Juden an der freiheitlichen und einheitlichen Entwicklung Deutschlands seit den Befreiungskriegen verwies und dann sagte: .Wir sind sicherlich deutsch, wir sind es geworden, weil Deutschland unsere Heimat ist, das Land ist, dem wir unsere Bildung entnommen haben, die Stätte ist, wo wir unsere Wirksamkeit haben, und das Land ist, für das unsere Väter und Brüder gelitten und gestritten haben. Der Antisemitismus hat bei manchen eine große Nervosität hervorgerufen. Man hört sagen: .die Juden müßten mehr zurückhaltend sein." Warum spricht über politische Gegenstände und Streitfragen im deutschen Volke gerade der oder jener Jude? Warum überläßt man das nicht anderen? Ich habe solche Reden nie beachtet. Gewiß soll jeder Jude, der in der öffentlichen Tätigkeit steht, mit Takt und Ehrfurcht das achten, ivas Bürgern anderen Glaubens heilig i h. Er soll es vermeiden, sich in Dinge des Glaubens anderer zu mischen. Aber in der Frage des V aterlandes ist es die Pflicht jedes Juden, gemäß seiner Ueberzeugung mit - z u w i r k e n zum Besten des Vaterlandes. Wir sind doch nicht inehr die Kammerknechte des heiligen römischen Reiches. Wir sind jetzt freie, deutsche Bürger. Und wenn wir dem Vaterlande gegenüber unsere Schuldigkeit tun wollen, so können wir nicht bloß verlangen, daß es uns das gibt, was unser Menschen- und unser Bürgerrecht ist, sondern wir müssen uns mit besten Kräften in den Dienst des Vaterlandes stellen, sonst würden wir ja bekennen, daß die Zugehörigkeit zu m Judentum ei n inneres Hindernis sei, an diesem Wirken sich zu be- U'.ligen. Wenn es aber Leute gibt, die behaupten, wir gehören nicht zum deutschen Volke, wir gehören zum jüdischen Volke, wir Deutschen, sondern könnten dies nur nach dem Gesetz