Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1907) · p. 431

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-07-01
Page
431 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316761--16621-2338657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschatt. 4SI geltende Zugeständnisse Sei aSzuschließenden Verträgen selbst solche Äulturstaaten, die aus Gründen der Humanität Einspruch gegen die Mißwirtschaft in Osteuropa erhebe» möchten, veranlaßt nicht nur, alle inneren Verhältnisse -es Zarenreiches unberührt, zu lassen, sondern auch Willkürakte der russischen Beamten gegen ihre Staatsangehörigen stillschweigend zu dulden. Wenn von anderen Staaten gesagt wurde, daß die Feder verdorben habe, was das Schwert gutgemacht, kann man zum Lobe der schlangenklugen russischen Diplomaten das Gegenteil sagen. Dagegen bäumt sich aha jetzt das selbständige Urteil eines Teils des englischen Volkes auf. Eine Anzahl namhafter freisinniger Politiker haben in der „Times" einen gehcnmischten Protest gegen jede» Vertrag Englands mit -er rnssischen Regiernug eingelegt. Ein solcher Vertrag, heißt es in dem Protc si, werde den Kredit der russischen Regierung heben und diese in die Lage versetzen, sich erfolgreich an Europa wegen einer neuen Anleihe zu wenden, über die das russische Volk keine Kontrolle habe und die nur zur Stärkung der Autokratie gegen das russische Volk benutzt werden würde. Es wird ferner von den Unterzeichnern des Protestes befürchtet, daß das englische Volk auf Grund engerer Beziehungen zwischen den Negierungen sich stark an der russischen Anleihe beteiligen würde, und daß dadurch die politische Haltung Englands gegen Rußland so, wie dies schon bei Frankreich der Fall sei, beeinflußt werden könnte. Schließlich wird gegen jede diplomatische Beziehung zu einer Regierung protestiert, die mit gutem Recht im Verdacht der Judenverfolgungen, der Verwüstung des Kaukasus und der baltischen Provinzen und der Gefängnistorturen in Riga stehe. Wenn diese Grausamkeiten auch nicht von de: Petersburger Regierung ausgegangen seien, seien doch die schuldigen Beamten nicht bestraft, sondern befördert worden. Hoffentlich verhallen diese Worte freier Männer nicht im Winde, sondern finden auch bei andern Kulturvölkern lauten Widerhall

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.