Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 420 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 420 Sache zunächst kaum förderlich sein kann, ist ohne weiteres anzunehmen. Die Reaktion, die nach der vorherrschenden ungewöhnlichen Gewitterschwüle auf dem allgemeinen politischen Gebiete im Anzug scheint, hat'sich aber auf dem Spezialgebiete der Judenfrage bereits früher so fühlbar gemacht, daß ihr dabei zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Dennoch wäre es zu bedauern, wenn der vom Fürsten Bülow geschaffene liberal-konservative Block, der vielleicht mit der Zeit eine lichtvollere parlamentarische Aera ermöglicht hätte, plötzlich in die Brüche ginge, was nach der durch den Minister v. Rheinbaben herbeigeführten Ausschalmng der liberalen Parteien bei der Verhandlung des m russischen Abgeordnetenhauses über die Teuerungszulagen keineswegs ausgeschloffen scheint. Daß dabei der freikonservative Führer Freiherr v. Zedlitz von den Liberalen öffentlich abgerückr ist, hat die .Freisinnige Zeitung" besonders stutzig gemacht und zu nachstehender Aeußerung veranlaßt: .Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß er ein außerordentlich seines Gefühl für Witternngsumschläge in den oberen Regionen har. und daß er als politisches Barometer gute Dienste tut. Mar. weiß ja noch, wie er 1892 bei dem Schulgesetz als erster die Wandlung der maßgebenden Stelle durchschaute 'und sein parlamentarisches Verhalten danach einrichtete. Wenn er mit der Beweglichkeit, die ihm stets eigen, jetzt seine bisherige Haltung völlig ändert, so ist das ein Anzeichen dafür, daß auch in der Negierung eine Aenderung erfolgen wird, und daß zurzeit Freiherr v. Rheinbaben Oberwasser hat. Da es uns nun aber unwahrscheinlich vorkommt, daß der preußische Finanzminister im Landtage in Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler arbeitet, so müssen die Chancen für den Fürsten Bülow augenblicklich recht schlecht stehen. Soll also der Vorstoß im Abgeordnetenhouse vielleicht lehren, daß Rheinbaben als der kommende Mann und der Nachfolger Bülows zu betrachten ist? Die Zukunft wird es lehren. Auf jeden Fall wissen die Liberalen jetzt, woran sie sind, und daß sie sich aus nichts als aus ihre eigene Kraft verlassen können." Seitdem die .,Freisinnige Ztg." dies schrieb, ist ein Miuisterwechsel eingnreren, der zwar die von den Freunden des Freiherrn von Rheinbaben gehegten Wünsche vereitelt und die Stellung