Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- Die Juden des Kirchenstaates in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 413 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Juden d. Kirchenstaatein des letzten Zahrzenten s. Bestehen-. 413 römischen Juden, nämlich die Abtrünnigen, in nicht gutem Lichte erscheint. Und auch diese wurden zu ihrem Betrug: nur durch das an sich Unmoralische folgender Stiftung veranlaßt: Ein römischer Patrizier aus dem Hause Rospigliosi hatte seinerzeit ein Legat gemacht, wonach die zum katholischen Glauben bekehrien Juden 72 Scudi (360 Franken) erhielten, doch mit »er Klausel, daß diese Summe erst 2 Jahre nach der Bekehrung ausgezahlt werden, und daß im Todesfälle die Familie nichts erhalten sollte. Als nun endlich im Jahre 1864 die päpstliche Rezierurg sich soweit modernisiert hatte, daß sie einer Versicherungsgesellschaft erlaubte, in Rom zu arbeiten, begann diese die ükergetreteaen Juden auf die nach 2 Jahren zu erwartende Prämie von 72 Scudi zu versichern. Infolge dieser Sicherstellung der Bekehrungsprämie stieg die Zahl der Täuflinge, da mel,rfach Irden unter verschiedenen Namen zu wiederholten Malen den Ueöertritt Vornahmen, so daß sich die Gesellschaft bald jjenöitgt sah, von einer derartigen Versicherung Abstand zu nehmen. Während die jüdischen Frauen, wie seit Jahrhunderten, in den Häusern des römischen Adels als Näherinnen, Stickerinnen und Teppichlegerinnen gesucht waren, öffneten sich ihren reicheren Glaubensgenoffen die Salons des Patriziats bei Festlichkeiten nur ganz allmählich, wie 1864 der Baronin Natalie von Rothschild, und in diesem Falle wohl auch nur deshalb, weil die eigentliche Bank des päpstlichen Staates (wie auch heute noch des päpstlichen Hofes) das Rothschildsche Bankhaus in Paris war. Uebrigens figurierte dieses, aus leicht begreiflichen Gründen, nicht unter seinem wahren Namen in Rom, sondern hatte seinen Vertreter in dem vom Papste in den Grafenstand erhobenen frommen Katholiken Antonio Cerasi. So gewinnt der unbefangene Leser des arsgeze:chneten Werkes von De Cesare den Eindruck, daß, falls die pipstliche Herrschaft in Rom fortgedauert hätte, zur Herstellung eines so guten Einvernehmens, wie es heutzutage zwischen den katkol scheu und jüdischen Bewohnern Roms existiert, mindestens ein Jahrhundert nötig gewesen wäre.