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Im deutschen Reich · 1907-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1907) · p. 411

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1907)
Article
Die Juden des Kirchenstaates in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens
Date
1907-07-01
Page
411 (sequence 2)
Language
German
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Die Juden d. Kirchenstaates in den letzten Jahrzenten s.Brstehens. 411 regulierter Domherr am Lateran in Rom sowi; päpstlicher Missionär. Recht charakteristisch für die im Königreich Italien nicht nur auf dem Papier geltende Freiheit und Gleichheit ist es, daß es einer seiner Brüder, unbeschadet seines väterlichen Glaubens, zum Generalinspektor am Schatzministerium bringen konnte. — Unmittelbar nach der Befreiung Bolognas vom päpstlichen Joche, die nicht lange nach dem Kinderraube erfolgte, suchte die Familie Mortara wenigstens die Schuldigen zur Bestrafung heranzuziehen. Sie erreichte aber weiter nichts, als daß der Dominikanermönch nach 3% monatlicher Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, weil er nur die von der damaligen Regierung, hinter welcher dar- Jnquisitionsgericht in Rom stand, ausgehenden Befehle ausgeführt hatte. Aus den im Staatsarchiv in Bologna befindlichen Prozeßakten druckt De Cesare den dahin gehenden Gerichtsbeschluß aus dem Jahre 1860 ab, welcher nicht weniger als sieben enggedruckte Seiten füllt. Uebrigens konnte die Familie Mortara, ebenso wenig wie sie 1860 durch die Intervention des italienischen Ministerpräsidenten Grafen Cavour, dessen schöner Brief an die Alliance Jsraelite wiedergegeben wird, etwas erreicht hatte, selbst nach der Einnahme Roms im Jahre 1870 in den Besitz ihres Mitgliedes gelangen, weil die geistliche Behörde, um dem zukünftigen Mönche den Militärdienst im Königreiche Italien zu ersparen, denselben in österreichische, französische und spanische Klöster verschickte, wo er als Lehrer der Theologie rnd Brediger fungierte. Erst etwa 20 Jahre nach feiner Entführung, im Jahre 1878, durfte der nunmehrige Mönch, von dem die geistliche Behörde keinen Rückfall zum Glauben seiner Beter mehr zu fürchten hatte, auf französischem Boden seine alte Mutter umarmen, welcher er, ebenso wie seinen Geschwistern, trotz der Verschiedenheit des Glaubens, mit echt jüdischem Gemüt eine rührende Liebe bewahrt hatte. Das geht u. a. aus einem zu n Abdruck gebrachten Gedichte hervor, das er an zwei feiner Schwestern, die er 33 Jahre lang nicht gesehen hatte, bei Gelegenheit ihres Wiedersehens richtete. Nicht angenehm dagegen berührt es, daß ich Pius Edgar Mortara wiederholt bemüht hat, seine eigene Mutter zum Glaubenswechsel zu veranlassen und daß er :s lebhaft bedauerte, als seine Bekehrungsversuche an dem Widerstand )er bereits auf dem Totenbette liegenden Frau scheiterten. Von den theatralischen Verwertungen, zu denen der Fall

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