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Im deutschen Reich · 1907-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1907) · p. 409

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1907)
Article
Innere Mission
Date
1907-07-01
Page
409 (sequence 10)
Language
German
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Innere Mission 409 Wert verlernen kann. Es ist ein geringer Trost, daß solche Uebelstüade jetzt überall und Sei den Juden doch mn ganz vereinzelt in die Erscheinung treten. Auf uns sieht man; wir sind von vielen unfreundlich gesinnten Beurteilern umgeben, haben auch zu viele alte Vorurteile zu besiegen, als das; wir uns den Luxus gönnen könnten, neue Vorurteile wach zu rufen. Weil man auf uns sieht, hat auch die „innere Mission- Ursache zu der dringenden Ermahnung, alles zu vermeiden, was ohne Not und Nutzen die Aufmerksamkeit auf uns lenkr, besonders das Temperament zu zügeln, das dazu führt, daß zuweilen Juden in öffentlichen Lokalen, auf verkehrsreichen Plätzen und Wegen, in Eisenbahn- oder elektrischen Wagen durch eine übergroße Beweglichkeit, durch förmliche öffentlich,e Farmlienkonvente oder durch überlaute Gespräche mit dem Nachbar, selbst bei vorurteilslosen Leuten und nicht zum mindesten bei den eigenen Glaubensgenoffen Mißfallen erregen. Gerade' jetzt, wo viele nach einem arbeitsreichen Winter nahe oder ferne Erholungsorte aufsuchen, sollten sie auf ihre nächste Umgebung io eimoirken, daß vermieden wird, was bei anderen berechtigten Acrger erregen oder einen leicht begreiflichen Neid Hervorrufen könnte. Mit Genugtuung kann man konstatieren, daß dies bereirs vielfach und erfolgreich geschieht und daß eine Besserung der Verhältnisse unverkennbar ist. Das kann uns aber nur anspornen, auf diesem richtigen Wege fortzuschreiten. Wenn, um die Notwendigkeit der „Inneren Miffirnzu beweisen, hier Dinge berührt werden mußten, me mitunter zu ungünstigen Beurteilungen der Juden Anlaß gegeben haben, kann doch auch hervorgehoben werden, daß solchen Mängeln Vorzüge gegenüberstehen, die der Judenheit sehr zur Ehre gereichen, da viele ihre Angehörigen sich drrch Gemeinsinn, Bildungstrieb und Liebenswürdigkeit im Verkehr vorteilhaft auszeichnen. Was edle jüdische Frauen in der Häuslichkeit und durch gemeinnütziges Wirken auf vielen Gebieten der Wohltätigkeit .leisten, ist sicher hohen Ruhmes wert. So sind der Schattenseiten nur wenige, der Lichtseiten viele vorhanden, mit denen wir uns nicht brüsten wollen, die wir aber o auLdehreu sollen, daß auch die kleinsten Flecken auf dem Lichtbilds der deutschen Judenheit verschwinden. Dann wird unsere Lebensbahn der Wanderung unserer Ahnen durch die Wüste gleichen:

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