Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 401 (sequence 2)
- Language
- German
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JnnereMisfion - 401 ein Mensch und deshalb berechtigt ist, sich einen^Platz in dem Tempel der Gleichheit und an der Sonne der allgemeinen Menschenliebe zu erkämpfen. »Ein Mensch sein, heißt ein Kämpfer sein/ das war. auch der Gedanke, der schon vor Jahrtausenden in dem. Worte »Israel'' »Gotteskämpfer" zum Ausdruck gelangte; denn nicht zu einem Streben nach den Gütern der Erde, nach Vorrechten oder eitlen Würden, sondern zu einem göttlichen Kampfe für ewige Rechte, für die Achtung unserer religiösen Ueberzeugung und nicht zum mindesten für unsere Mannesehre fühlen wir uns berufen. Wenn Recht und Ehre auf dem Spiele stehen, gilt es, um einen Strohhalm zu fechten. Das wird uns kein ernster deutscher Christ verargen, wenn wir Schimpf und Unrecht abwehren, wenn wir unserm Glauben ebenso treu anhäugen, wie unserm deutschen Vaterlande; denn feste Mannhaftigkeit und Treue find vom deutschen Volke noch allezeit hoch gehalten worden. Es darf uns aber nicht ausschließlich als Ziel vorschweben, Rechte zu erkämpfen, sondern wir müssen auch immer der Pflicht eingedenk sein, uns jener würdig zu erweisen. Wir müssen, wenn wir auf Achtung Anspruch machen, mindestens sorgsam vermeiden, was berechtigtes Mißfallen erregen kann. Zur Liebe kann man niemanden zwingen, aber gegen Mißachtung soll und kann man fich schützen. Wer einer Bevölkerungsklasse angehört, die nur den hundertsten Teil der Gesamtbevölkerung bildet und die erst seit wenigen Jahrzehnten von den Fesseln der Knechtschaft erlöst ist, darf nicht vergessen, daß solche Bevölkerungsminderheit immer das Sihicksal der Stiefkinder teilt, die doppelt artig sein müssen, weil man ihnen nicht dieselbe Nachficht wie den verzärtelten Schoßkindern gewährt, weil man ihr Betragen strenger überwacht und ihnen jede Entgleisung doppelt anrechnet. Das kann euch keinem deutschen Juden fremd sein, daß jede seiner Handlungen nicht ihm allein, sondern allen seinen Glaubensgenossen angerechnet wird, daß jede seiner guten Taten eine Heiligung, jede seiner schlechten mit einer Entweihung des göttlichen Namens gleichbedeutend ist, daß er die Gesamtheit der deutschen Juden schädigt und schändet, wenn er fich selbst mit Schmach l>edeckt, daß er sie aber mit zu Ehren bringt, wenn er jederzeit als Ehrenmann handelt. Dadurch kann jeder einzelne Jude selbst in kleinen Verhältnissen Großes leisten, wenn er durch Selbst-