Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- Politische Arbeit
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 399 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Politische Arbeit 399 rufen, sich durch die politischen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte nicht verbittern zu lassen, sich von der politischen Arbeit nicht fern zu halten und sich nicht schmollend in den Winkel zurückzuziehen, sondern eifriger als je zuvor sich an den gemeinnützigen Bestrebungen der Gesamtheit zu beteiligen und die nach eigener Ueberzeugung gewählte politische Partei mit Flat und Tat so unterstützen, daß man in ihr die Mitarbeit des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens schätzen und sie nach und nach als kaum entbehrlich zu betrachten lernt. Dabei wird sich der Nutzen der Ortsgruppen des Central-Vereins aller Wahrscheinlichkeit nach glänzend erweisen; sie werden berufen und befähigt sein, durch ihre Leiter b».ständige freundschaftliche Fühlung mit den verschiedenen politischen Fraktion m zu halten und ihnen aus der Mit-e der Gruppe die geeignetsten Kräfte zuzusühren, die in erster Linie in vaterländischem Interesse und damit auch für die Wahrung und Verwirklichung unserer bürgerlichen Rechte wirken können. Daß ein Angehöriger einer Minderheit der deutscher. Bevölkerung dabei keine leitende Stellung in der polilisten Partei erstreben, sie aber, wenn sie ihm von der Mehrheit vertrauensvoll ' angeboten. wird, nicht ausschlagen soll, braucht ebensowenig gesagt zu werden, als daß der deutsche Jude niemals aus Parteifanatismus bei Dingen Mitwirken darf, die mit seiner Ehre als Jude unvereinbar sind. Für die politische Partei sei kein Opfer zu groß, aber von der eigenenMannesehre und derEhre unseres Glaubens können wir nicht das Allermindeste vergeben! Für Kompromisse mit Antisemiten darf deshalb ni: aus eine jüdische Mithilfe zu rechnen sein. Unsere Ortsgruppen werden davon sind wir im voraus überzeugt, auch bei jedec politischen Arbeit sich des Einverständnisses mit der Zentrale versichern und im allgemeinen als Regel den Grundsatz gelten lassen: »In zweifelhaften Dingen Freiheit, in nichtigen und in nötigen gemeinsames Handeln!'' Wo der Einfluß und die Mittel des Central-Vereins in Anspruch genommen werden sollen, kann die lokale Organisation nicht bestimmen, sondern nur anregen, aber daß ihre von der besseren Kenntnis der örtlichen Verhältnisse unterstützten Wünsche, so wcit dies irgend möglich ist, erfüllt werden, versteht sich von selbst.