Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- Politische Arbeit
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 395 (sequence 2)
- Language
- German
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Politische Arbeit 395 Juden erst recht ebensowohl aus Mitgefühl mit iljren schwer betroffenen Glaubensgenossen, als auch mit Rücksicht aus ihre Ehre und Sicherheit verpflichtet seien, sich in die Reihen der Kämpfer für die Gleichberechtigung der Juden zu steilen, zumal auch die Zukunft ihrer Kinder davon abhänge, die jetzt schon vielfach zurückgedrängt, künftig aber bei der Berufswahl in bedenklichster Weise auf ein immer engeres Gebiet beschränkt werden würden, wenn nicht die Juden Mann für Mann gegen schreiende Ungerechtigkeiten Front machten. Das sah man ein; es war aber natürlich nicht ohne weiteres möglich, durch eine Vertretung von einigen Tausend Juden Justiz und Verwaltung eines Reiches von mehr als 50 Millionen Nichtjuden von einer die Rechte der Juden mißachtenden Praxis abzubringen, die sich die Betroffenen fast 20 Jahre hindurch ruhig hatten gefallen lassen. Ehar einer jahrzehntelangen schweren Arbeit auf dem debiete des Rechtsschutzes bedurft, die Gerichtsbehörden davon zu überzeugen, daß Angriffe auf die jüdische Religion strafrechtlich gesr'hnt werden müßten, weil nur dann die Gerechtigkeit die Stütze.eines Staates ist, wenn der Schutz der Gesetze allen Staatsangehörigen zuteil wird. Anfangs waren die Behörden sichtlich erstaunt, daß gesetzlich verbriefte Rechte, von denen die Angegriffenen lange Zeit so gut wie gar keinen Gebrauch gemacht hatten, plötzlich mit Energie und Zähigkeit in Anspruch genommen werl>en könnten. Allmählich aber haben sie sich doch dahin bringen lassen, daß sie jetzt auch ohne Strafanträge einschreiten, wenn von antisemitischer Seite gegen Juden und Judenturr gerichtete grobe Gesetzesverletzungen gewagt werden. Und die üdischen „Intelligenten", die anfangs die Erreichung die'er ersten Etappe auf unferm Vormärtsdringen dadurch unendlich erschwerten, daß sie vor häusigen Beschwerden und Strafnnträgen warnten und es auch als nicht „vornehm" bezeichneten, daß der Central-Verein „zum Kadi laufe", sobald antisemitische llowdies sie oder ihre Religion beschimpfen, sie haben sich seitdem mn dieser Tätigkeit so sehr ausgesöhnt, daß sie jetzt uns Borwürfe machen, wenn wir nicht bei jedem aniisemirifchen Mückenstich mobil machen. Zur Mitarbeit und Beihilfe sind sie 2ber doch nur vereinzelt zu bringen gewesen. Wozu auch minieiurn, mittun? Der Central-Verein ist ja da und bilde: eine geachtete Schutzwache gegen viele Angriffe; das genügt vielen Crc zählte