Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit [Rezension]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 385 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau. 385 Sucher kcharr. Bei der Redaktion ist eingegangen: Religion und Sittlichkeit. Von Hermann Cohen. Eine Betrachtung zur Grundlegung der Religionsphilofophie. Berlin 1907. Verlag von M. Poppelauer. Während der Kampf um die Religion, die sich gegen „Wissenschaft" und „Sittlichkeit" zu verteidigen hat, mit aller Erbitterung von den Kreisen geführt wird, die iw engeren Sinne in dieser die Gesamtheit angehenden Frage Partei sind, beurteilt der Marburger Philosoph Berechtigung und Verlauf des Streites mit einer Sachlichkeit und tiefgründigen Gelehrsamkeit, die ohne weiteres für seine Darlegungen einnehmen muß. Es muß das gleich im Anfang betont werden; denn Cohen wollte wohl scharf und streng sprechen, aber er ist doch, wenn auch entschieden und sicher, milde und ruhig. — Das Thema liegt in den Worten angedeutet: „Sittlich wollen die Menschen sein, aber nicht religiös." Es gilt also, das Wesen des Sittlichen und das der Religion fehlerfrei zu bestimmen, um beides miteinander Zu vergleichen, gegeneinander abzuwägen, wenn sie als verschieden, voneinander abzugrenzen, wenn sie als ähnlich befunden werden. Unter dem Sittlichen kann in diesem Zusammenhänge nur das Philosophisch-Sittliche, die systematische Ethik geweint sein. Sie bedeutet die Identität des Sittlichen mit dem Menschen, stellt immer von neuem das Verhältnis von Mensch zu Mensch fest, kann demgemäß ohne die Philosophie nicht auskommen, weil sie sich in jedem Augenblick vor neue Fragen gestellt sieht. — Die Religion weist in ihrem Ursprünge auf den Mythos hin, dessen Aufgabe das Verständnis der Natur war. Er führte auf Seelen und Götter und gab so die Grundlage ab, auf der die Propheten zu Entdeckern des einzig wahren Sinnes des Monotheismus werden konnten: der einzige Gott ist Verkünder der Sittlichkeit, des Verhältnisses von Mensch zu Mensch. — Die wahre Religion wird also in der einen Richtung durch eine Liefe Kluft getrennt vom Mythos, der Lehre des Verhältnisses vom Menschen zu Gott. Andererseits jedoch haftet