Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Offenbach
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 377 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316760--16529-2338500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 377 D. Offenbach, a. M., 10. Mai. Die hiesige Ortsgruppe des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes veröffentlichte in der „Offenbacher Zeitung" eine Erklärung, in der sie dem „Offenbacher Abendblatt" das Recht bestreitet, sie als antisemitisch zu bezeichnen. In der Erklärung heißt es wörtlich: „Unsere Stellung zur Judenfrage hat mit dem Partei-Antisemitiswus nichts zu Lun. Wir sind eine neutrale Gehilfenorganisation, die unbeirrt durch die Anfeindungen von links und rechts die Interessen unseres Standes wahrt." Wer das Verhalten der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen bei politischen Wahlen kennt, bei denen sie sich stets willig in den Dienst der antisemitischen „Deutsch-Sozialen" stellen, weiß aber, daß der Verband sehr viel mit dem Partei-Antisemitismus zu Lun hat, in dem sein dadurch in den Reichstag gelangter Leiter W. Schack eine hervorragende Rolle an der Seite Liebermanns spielt. Die „Offenbacher Zeitung" berichtete, daß der den Antisemitismus verleugnende Teil der Ortsgruppen-Erklärung in Offenbach vielfach Erregung verursachte, die sich auch in Zuschriften an die Redaktion der „Offenbacher Zeitung" kundgegeben habe. Sie fügt dann noch wörtlich hinzu: „Wir haben natürlich keine Veranlassung gehabt, dem genannten Verein die Aufnahme eines Eingesandts zur Klärung der so staldemokratischen Angriffe zu verweigern. Haben wir doch wiederholt selbst den ausgesprochensten Gegnern mitten in der Polemik wie seinerzeit dem Genossen Edelstein dasselbe verstattet. Etwas anderes wäre ja auch lächerlich und einer ernsten Zeitung unwürdig. Man schafft doch Dinge nicht aus der Welt, indem man sie an einer bestimmten Stelle Lotschweigt. Daß sich die „Offenbacher Zeitung" niemals mit antisemitischer Propaganda oder Gesinnung identifiziert hat, wissen unsere Leser ebenso genau, wie daß der Antisemitismus hierzulande keinen Boden hat. Grund zur Erregung ist also unseres Erachtens umsoweniger vorhanden, als auch die Erwiderung des „Vereins deutsch-nationaler Handlungsgehilfen" keinen aggressiven oder herausfordernden Charakterhatte." —Gegen diese Ausführungen der Redaktion läßt sich nichts einwenden. In gewisser Beziehung ist es sogar erfreulich, wenn sich diese Handlungsgehilfen des Namens „Antisemiten" schämen. Sie sollten aber auch aufhören, Antisemiten zu sein, wenn sie ernstlich die „Interessen ihres Standes wahren" wollten. So lange