Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 373 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 373 zu lesen, um zu beobachten. Wie sie in edlem Wetteifer mit dem „Simplizissimus" und ähnlichen Giftschlangen alles Feingefühl ersticken." — Der Verfasser dieser Fußnote in der, unter Mitwirkung namhafter Schulmänner von dem Herzogl. BezirksschulinspektorK.O.Bentz und dem Rektor Rüde inNakel herausgegebenen „Zeitschrift für wissenschaftliche Pädagogik und Lehrerfortbildung" scheint die Zeitschrift des Antisemiten Bruhn „Wahrheit" und die Flugschriften Ahlwardts und Pücklers als „Quellen der Feinheit und Mittel gegen Verrohung" des deutschen Volkes anzusehen. Andere Leute dürften aber der Meinung sein, daß seine, eine anständige Bevölkerungsminderheit des deutschen Volkes grundlos beschimpfende Notiz keineswegs in eine Fachschrift hineinpaßt, die nicht Parteizwecken dienen, sondern Geistes¬ und Herzensbildung fördern soll. Als vor einiger Zeit die „Staatsbürger-Zeitung" und „Das Reich" aus dem wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verurteilten „ledigen" Gipser David Groß in Stuttgart einen „jüdischen" machten, fühlten sie sich nicht bemüßigt, eine auf Grund amtlicher Auskunft von uns erbetene Richtigstellung ihren Lesern mitzuteilen. Am 14. Mai wurde auf demselben eigentümlichen Wege aus dem „flüchtigen" Bankbeamten Max Reumann ein „jüdischer". Dieses Mal wurde jedoch unserm Ersuchen entsprochen und mitgeteilt, daß der „Flüchtige" nicht Jude ist. Eine Besserung ist also bemerkbar; vielleicht schreitet sie bei der nächsten Gelegenheit zu der Erkenntnis fort, daß die genannten Organe bei ihrer konfessionellen Kriminalstatistik von vornherein die erforderliche Vorsicht beobachten. Wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges hatte sich am 16. Mai der Fabrikbesitzer Rudolf Herschel vor dem Berliner Schöffengericht zu verantworten. Im Englischen Büffet Unter den Linden saß am Neujahrmorgen in der fünften Stunde eine kleine Gesellschaft, unter der sich der Professor Reumann aus Charlottenburg befand. Am Nebentische saß der Graf Dohna-Motwitz mit einer jungen Dame. Als Professor Neumann gerade ein gefülltes Sektglas in der Hand hielt, rief er im Scherz der Dame ein -.Prosit Neujahr" zu. Dies wurde von dem Herrn Grafen gewaltig übelaenomwen, denn er rief Herrn N. zu, der „Judenjunge solle das Maul halten." Professor N. trat sofort an den Tisch des Grafen Dohna heran und ersuchte ihn in höflichem Tone, zu revozieren, da die Be-