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Im deutschen Reich · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. 361

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-06-01
Page
361 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 361 Oesterreich-Ungarn weit früher und auch in neuerer Zeit vielfach zu teil geworden, ohne daß dadurch dort der Aufschwung des Antisemitismus irgendwie verhindert worden ist. Der österreichische Adel hat sich den jüdischen Zuwachs nicht nur ruhig gefallen lassen, sondern, soweit er nicht unter dem Einfluß fanatischer Kleriker stand, sich vielfach mit den neugeadelten jüdischen Familien verschwägert, die stets den angestammten Glauben treulos verließen, wenn ihre Kinder nicht ihre Lebensgefährten in jüdischen Kreisen suchten und fanden. Diesseits wie jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle war es auch durchaus nicht immer der Reichtum, der jüdischen Abkömmlingen zu einem hohen Rang verhals, sondern weit häufiger eine bedeutende Intelligenz, besonders aber eine eigentümliche Begabung für das Berwaltungsfach, für das früher wenigstens in Deutschland der christliche Adel ein Monopol zu besitzen schien. Ohne daß die breite Öffentlichkeit viel davon ersehen hat, spielt seit Jahren Se. Exeellenz der Sektionschef im österreichischen Ministerratspräsidium Dr. Rudolf Sieghart eine so einflußreiche Rolle, daß kürzlich ein Wiener Antisemitenblatt von diesem Sohn des Troppauer Rabbiners Singer schrieb: „Wenn in Oesterreich die hohe Beamtenschaft, die Staatsmänner und die leitenden Parlamentarier so schwach und energielos geworden sind, daß sie sich willenlos von einem Rabbinersohn leiten lassen, so ist das traurig genug/ Daß trotzdem der Antisemitismus in Wien seine Herrschaft behauptet hat, liegt an der Zerfahrenheit der Liberalen. Einige antisemitische Borkämpfer sind bei den Reichsratswahlen in der Versenkung entschwunden, andere, wie Prinz Lichtenstein, Gaßmann, Bielohlawek usw., nur mit sehr knapper Majorität gewählt worden; die xühnen Erwartungen der Christlich-Sozialen haben sich nur teilweise erfüllt. Immerhin ziehen sie etwa 70 Mann stark in den Reichsrat ein, wo sie, wenn es gegen die Juden geht, an den Klerikalen, den czechischen Antisemiten, wohl auch an den Deutsch-Volklichen willfährige Bundesgenossen finden werden. Die Gefolgschaft Luegers hat wiederum in Wien einen großen Erfolg erzielt, trotzdem die große Zahl der gegnerischen Stimmen die Prahlerei widerlegt, daß Wien „christlich-sozial" sei und eigentlich nur die Zersplitterung der Gegner der Antisemiten deren Sieg herbeiführte. Der Antisemitismus wurzelt in Oesterreich vorzugsweise

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