Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Bemerkungen zur Kriminalstatistik
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 336 (sequence 6)
- Language
- German
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836 Im deutschen Reich. oft mag Voreingenommenheit das Auffassungs- und Erinnerungsvermögen eines Zeugen Zu Ungunsten jüdischer Angeklagten getrübt haben! Beachten wir endlich, daß die Statistik unter dem Gesetz der großen Zahl steht, d. h. daß sie nur durch Massenbeobachtungen die Möglichkeit erhält, das Typische zu erkennen, während kleine absolute Zahlen die der Vergleichung dienenden Relativzahlen ungebührlich vergrößern oder verkleinern. Wegen Brandstiftung erfolgten 1900 467 Verurteilungen, davon betrafen 5 jüdische Täter; hätte nur ein einZiger der jüdischen Brandstifter die Tat unterlassen, so wäre die Beteiligung der Juden bei diesem Verbrechen im kriminalstatistischen Sinne günstig gewesen. Ähnlich waren unter 615 wegen Meineides im Jahre 1900 Verurteilten 6 Juden, so daß selbst bei der hier Zugrunde gelegten ganz unzulänglichen Vergleichung sich keine allzugroße Beteiligung ergibt. Die Zahl der wegen Wuchers Verurteilten schwankte 1885 bis 1900 zwischen 22 und 57; 1900 waren unter 30 Verurteilten 3 Juden. (Ferner 3 Frauen; man sieht also auch hier wieder: Frauen, die wenig Gelegenheit zu Geldgeschäften finden, sind gering beteiligt, Juden, bei denen das Umgekehrte der Fall ist, entsprechend mehr.) Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß die Kriminalität der Juden im allgemeinen günstig ist, ungünstige Kriminalitätszahlen bei einzelnen Vergehen aber teils mit großer Bestimmtheit, teils möglicherweise auf die Unzulänglichkeit der statistischen Methode zurückzuführen sind oder auf zu kleinen absoluten Zahlen beruhen. Einen Weg gibt es, dieser Unzulänglichkeit zu begegnen, nicht eine statistische, aber eine ideale Lösung. Richten 'wir unser Verhalten so ein, daß weder die mangelhafte noch die vollkommene Wissenschaft eine Handhabe bietet, um uns eine übermäßige Kriminalität vorzuwerfen. Wir ehren uns um somehr, je höhere sittliche Anforderungen wir selbst an uns, stellen. Üben wir strengste Selbstzucht! So mancher kann dazu Mitwirken. Wie schön wäre es, wenn wir sagen könnten: wir haben tausende von Geschäften geschlossen, aber es war kein betrügerisches oder wucherisches darunter; die Statistik stellte uns zehn Meineide frei, aber es fand sich kein Jude, der von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht hatte.