Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Der Kampf zwischen Judentum und Christentum in den ersten drei christlichen Jahrhunderten [Rezension]
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 321 (sequence 2)
- Language
- German
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Süchsrschau 321 gewiesen wird. Darum ist die Schrift Zieglers, die andere Werke dieses Gebietes zu ergänzen geeignet ist, mit Freude; zu begrüßen, wenn auch die Darstellung, wie der Verfasser sagt, »an manchen Stellen dem einen vielleicht etwas lückenhaft, dem andern zu gewagt erscheinen Wird."" Die ganze Arbeit will die Frage beantworten, warum das Judentum nicht dem Apostel Paulus in der Preisgebung des Gesetzes gefolgt ist, wodurch es zur Weltreligion geworden wäre. Zunächst findet eine eingehende Untersuchung darüber ftati y )b die damaligen offiziellen Vertreter des Judentums einen rennenswerten Grund gehabt haben, gegen die Persönlichkeit Jesu anzukämpfen. Nach den Evangelien haben besonders die Pharisäer Schuld an seinem Tode, und zwar sollte die Strafe erfolgen, weil er die religiösen Gebote verachtet und gegen die Frömmelei der Pharisäer geeifert habe. Aber hiergegen läßt sich ernwenden, daß sogar Ketzer, die sich offen den wichtigsten religiösen Geboten widersetzten und Gottlosigkeit predigten, nicht mit dem Tode bestraft wurden, und andererseits die Heuchelei mancher Scheinpharisäer im Lalmudischen Schrifttum selbst gerügt wird. Und wenn Jesus alle Phärisäer in Bausch und Bogen verurteilt hätte, wäre ihm gewiß nicht erlaubt worden, in den Synagogen zu predigen. Er selbst aber verkehrte freundschaftlich mit ihnen, wie aus den Synoptikern ersichtlich ist; und ruch Paulus nannte sich, als er von der Heidenbekehrung nach Jerusalem zurückkehrte, einen Pharisäer. Als ein Grund der Feindschaft gegen Jesus wird auch bezeichnet, daß er sich der Zöllner und Sünder angenommen habe, die von manchen Geehrten mit dem Lalmudischen Am-haarez identifiziert werden. Nach ihrer Ansicht hätte der Am - daarsz einen Haß gegen die Pharisäer gehabt, weil sie ihm die Last des Gesetzes auferlegt hätten, die er nicht tragen wollte. Dieser Gegensatz aber zwischen dem Chaber (dem Strengfrommen) und dem Am-haarez (dem Unwissenden) hat sich erst in der nachhadrianischen Zeit herausgebildet; doch die damals lebenden Redakteure der Evangelien haben die Verhältnisse ihrer eigenen Zeit in ihren Darstellungen durchblicken lassen. Ganz widersinnig ist die An-, schauung, man habe Jesus gehaßt, weil seine Sittenlehren die bisherigen bedeutend überragten. »Die Ideale Jesu waren Gemeingut des Mischen Gedankenlebens von den alten Propheten her.^ (S. 25.) »Wer die Bergpredigt bewundert,