Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 309 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 299 angeblich starke Beteiligung der Juden an der RevolutionsLewegung in Rußland wird durch die Tatsache widerlegt, daß sie als MajestäLsbeleidiger eine viel geringere Rolle spielen als die Nichtjuden. Die in Frage kommenden Zahlen sind nach der Berliner „Zeitschrift für Sozialwissenschaft" folgende: Auf 100 politische Verbrecher bei der gesamten Bevölkerung 11,5 MajestäLsbeleidigungen, ei Juden nur 1,4; bei der Gesamtheit Beteiligungen an revolutionären Vereinigungen 18,2, bei den Indem zwar 60,9, aber die Ziele dieser Vereinigungen sind nach den vorstehenden Ziffern keine antimonarchischen, sondern nur solche gewesen, die sich zum Schutze gegen die antiseMitischen Mordbrenner zusammengeschlosfen haben, deren scheinbare „Gegenrevolution" das Zarentum nicht schützen, sondern nur ruinieren kann. Ueber die Grenzen Rußlands.hinaus hat leider diese 6euche bereits ansteckend gewirkt und insbesondere in Rumänien, wo verschiedene russische Sekten, u. a. die „Lipovanen", unter Leitung ihrer Geistlichen die Judenhetzen schürten, zn einer antisemitischen Bauernbewegung geführt, die unter Begünstigung nnzelner Behörden Zahllose Juden heimatlos und bettelarm gemacht hat und von den Organen der rumänischen Regierung mit Waffengewalt erst gedämpft worden ist, als die Ausschreitungen der wütenden Massen auch nichrjüdischen Kreisen fühlbar wurden. Die Judenhetze im benachbarten Südrußland und die auch in Rußland, auf der Tagesordnung stehende Frage der ffseren Landversorgung der Bauern hat ihre Wirkung auf die rumänische Nachbarprovinz nicht verfehlt, namentlich, weil russische Hetzer die Landbevölkerung aufgewiegelt hatten. Die Verbindung zwischen Antisemitismus und Landhunger, Zwei Nomenten, die an sich nichts gemein zu haben scheinen, waren in Rumänien leicht herzustellen, weil dort manche Pächter Juden Und und den Großgrundbesitzern eine Pacht zahlen müssen, die 'ie nur bei niedriger Bezahlung der Landarbeiter erschwingen dunen. Mit den Pächtern hat tatsächlich die jüdische Stadtöevölkerung, die sich in Rumänien zum erheblichen Teil aus armen Handwerkern Zusammenfetzt, nichts zu tun, aber der kurzsichtige Bauer verallgemeinert und schlügt auf die Gesamtheit der Juden los. Dazu kommt noch, daß der städtische Jude mit seinen Läden und Werkstätten das geeignetste Objekt für Plünderungen bietet. Zahlreiche Bauern sind