Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 307 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316759--16391-2338335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. m die von dem Mädchen geschilderten Verletzurrgen^Aichjt gefunden. Da auch aus dem sonstigen Verhalten der Podsemnik auf eine Psychische Störung geschlossen werden mußte, wurde sie zur Prüfung ihres Geisteszustandes ins Allgemeine Krankenhaus gebracht. Damit ist den Antisemiten nicht gedient; das »Deutsche VolksblaLL" äußert seine Wut über die verfehlte Hetze durch die Erneuerung der leider ihm bisher nicht durch Strafen verleideten Behauptungen, daß es Juden gäbe, die am Blutsglauben festhalten, und alle Juden von dieser Tatsache wüßten. Es beschimpft dabei auch die obengenannten christlichen Polizeiärzte durch nachstehende Behauptung: »In dieser sogenannten amtlichen Darstellung findet sich eine ganz unglaubliche, grobe Unwahrheit." Als diese grobe Unwahrheit bezeichnet das Blatt, daß die Polizeiärzte, »trotzdem ihnen die Stelle, wo sich die Wunden befinden, genau bezeichnet wurde, diese anderswo suchten und sie selbstverständlich also auch nicht fanden." In einem offenen Briefe an den Wiener Polizeipräsidenten R. v. Habrda erklärt deshalb die »Wiener Sonn- und Montags-Ztg.": »Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder die zwei beeideten Polizeiärzte, die sich des ihnen vom »Deutschen Volksblatt" vorgeworfenen Amtsmißbrauches schuldig gemacht haben, müssen mit Schimpf und Schande davongejagt werden, oder das »Deutsche VolksblaLL" müßte denn doch von Amtswegen irgendwie in einer sehr zarten, höflichen Weise, wie sie gegenüber den Bluthunden von Polna in Oesterreich selbstverständlich geboten ist, aufmerksam gewacht werden, daß es diesmal einen kleinen Mißgriff begangen hat." Das »Wiener VolksblaLL" scheint aber sogar noch wehr als »Mephisto" zu .Erwögen, denn den läßt Goethe nur sagen: »Ich weiß mich trefflid mit der Polizei, doch mit dem Blutbann schwer wich abzufinden!" Die von den Antisemiten systematisch betriebene Volksverdummung ist aber, wo man ihr nicht Einhalt gebietet, nicht nur für die jüdische Bevölkerung, sondern für die gesamte staatliche Ordnung verhängnisvoll. Wo ungebildete Massen durch Ammenmärchen zu Mord und Plünderung aufgereizt werden, bietet gegen ihre Ausschreitungen der Taufschein zumeist einen ungenügenden Schutz, und immer wird der gesamte Wohlstand und dis Sicherheit der Gegenden, in denen sie gehaust haben