Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 241 (sequence 13)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 241 finden würden, hat sich als ungerechtfertigt erwiesen, da die Bauern diesmal von Gutsbesitzern und Dorfpopen im entscheidenden Moment äußerst gründlich bearbeitet wurden. Die Mehrheit der Duma ist deshalb nicht regierungsfreundlicher geworden; man wird aber nun kaum die Juden dafür verantwortlich machen können, wenn Regierung und Volksvertretung in Rußland so hart auf einander treffen, daßder allgemeine Zusammenbruch unvermeidlich wird. Die Legende des Vorurteils „daß der Jude ein geborener Revolutionär sei/ wird dann in Rußland kaum noch Glauben finden. Wo, wie dort, die Unzufriedenheit allgemein ist, kann die Gesinnung der in politischer Beziehung überall zersplitterten jüdischen Beoölkerungsminderheit ohnehin keine Entscheidung herbeiführen. Nicht von jüdischer Hand ist das Mene tekel mit Glutbuchstaben an die Wand des Zarenpalastes geschrieben worden, sondern von unsichtbaren Geistern, die, durch fälschlich als Stützen von Thron und Altar betrachtete Erpresser und mord- und plünderungslustige Banden gedankenlos entfesselt worden sind. A. L» tM Reremsrmchrichterr» am 25. Februar d. I. im Saale des Geselligen Vereins sfSe> der Gesellschaft der Freunde, Berlin W., abgehaltene ordentliche Mitgliederversammlung war überaus zahlreich besucht; es hatte sich auch eine Anzahl auswärtiger Teilnehmer an der am Tage vorher stattgehabten Delegierten-Versammlung eingefunden. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Justizrats Dr. Horwitz hielt Herr Rechtsanwalt vr. Ludwig Holländer aus München einen durch wissenschaftliche Gediegenheit und glänzende Rhetorik gleich ausgezeichneten Vortrag über „die sozialen Voraussetzungen der antisemitischen Bewegung in Deutschland.^ Ausgehend von der Ausdehnung des Wortes asozial", als der Bezeichnung, die die Stellung der Menschen als einzelne zu einander im Gegensätze zu ihrem Verhältnis zu Staatsorganismus feststellt, verwies der Redner darauf, daß die mannigfachen Abteilungen der menschlichen Gesellschaft asoziale Schichten" bilden, daß die Juden eine solche Schicht gewesen sind und auch heute noch