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Im deutschen Reich · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. 225

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum?
Date
1907-04-01
Page
225 (sequence 6)
Language
German
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Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum? 225 gewurzelt ist und eine Kulturabgabe erfüllt, und daß kein wahrer Gewinn für das Volksganze darin Zu erblicken wäre, wenn die einzelnen Bekenntnisse ihre Eigenart einer äußerlichen Gleichförmigkeit Zuliebe aufgeben würden, statt sie als wertvolles Kulturelement der Gesamtheit Zu erhalten. Namentlich dem Judentum gegenüber herrscht vielfach die Ansicht vor, daß, nachdem durch die moderne Gesetzgebung die rechtliche Sonderstellung der Israeliten beseitigt sei, es eigentlich ihre Pflicht und Schuldigkeit oder wenigstens das Vernünftigste wäre, in der Mehrheit aufzugehen. Aber die Israeliten sind von jeher in der Welt eine winzige Minderheit gewesen, und es ist offenbar ihre geschichtliche Aufgabe, sich als solche durchzusetzen. Sie vertreten das Recht der Minderheit, das Prinzip der Gerechtigkeit 8un.8 pllru86, und daher kommt es, daß ihre Behandlung in denverschiedenen Ländern geradezu zum Gradmesser der Kultur derVölker geworden ist. Sollen sie, denen ihre Religion gebietet, die Gerechten und Tugendhaften aller Nationen ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis als der ewigen Glückseligkeit teilhaftig anzusehen, diesen Standpunkt verlassen Zugunsten der Auffassung, daß man den Glauben der verbreitetsten Religion teilen müsse, um ein vollberechtigter Mensch im Diesseits und Jenseits zu sein? Es hätte der Mahnung von Männern wie des Kriminalisten Berner nicht bedurft, um die Juden zum Ausharren in dem Kampfe für die bedingungslose Humanität zu bestimmen. Dafür wird ihnen auch künftighin kein Opfer zu groß und Zu schwer sein/ Angesichts solcher Argumente muß es doch mindestens zweifelhaft erscheinen, ob die Tatsache, daß „das Christentum die Glaubensform der meisten gesitteten Menschen ist" überhaupt als Motiv des Uebertritts ins Gewicht fallen dürfte. Keinesfalls aber kann dieses Motiv als entscheidend angesehen werden gegenüber schwerwiegenden Bedenken, die jedem denkenden und fühlenden Juden bei der Frage der Taufe aufsteigen müßten, Bedenken, die auch Abraham Mendelssohn, wie man zwischen seinen Zeilen lesen kann, zweifellos aufgetaucht sind, die er aber seiner Tochter verschweigt. Trotz vielfacher Uebereinstimmung der Sittenlehre des Judentums und Christentums fordert der Uebertrirt zum letzteren große und schwere Opfer von einem Juden. Ein solches Opfer ist zunächst das Bekenntnis zu den christlichen Dogmen, das von dem Uebertretenden verlangt wird. Es mögen vereinzelt Fälle Vorkommen, in denen

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