Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Wir Juden [Rezension]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 197 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 197 und müssen ein würdiger Feind sein. Jedoch wir haben uns vergessen. Wir wissen es nicht mehr, daß die Judenheit die Vertretung der „Idee der Menschheit"' ist, ja, daß wir, „die Verkörperer dieser Idee", . . „Erstling der Menschheit — Teilmenschheit" sind. Hier haben wir so recht den deutlichen Gegensatz zu Weininger: Selbstbewußt erklärt der Jude, daß wir von unseren Ahnen die hohe Mission erhalten haben, wahres Menschentum zu predigen und zu zeigen. Denn: „es gibt keine Menschheit. Sie ist Idee, sie ist Erfüllung, sie ist Ziel." Und noch mehr klingt an die Auffassung des Judentums als Idee die Festlegung des Verhältnisses zum Christentume an. Christus war Mensch gewordener Jude, der Sieg des Christentums ist in Wahrheit ein solcher des Judentums, seiner Idee. Aber es war nicht der ganze Sieg; uad konnte nie der ganze Sieg werden. Darum durfte das Christentum in seinem Entstehen nicht anerkannt werden: es wäre der Tod des Judentums geworden, und dieses muß bleiben als „der Menschheit ewige Erinnerung an ihr Sein." So ist das Judentum durch und durch männlich, schöpferisch und groß gewesen; kein Recht besteht. Weibliches, Unbedeutendes mit dem Namen „Judentum" zu nennen. Aber diese Erkenntnis ist uns Juden verloren gegangen, wir müssen uns erst wieder auf uns selbst besinnen. Der Verfasser verlangt den „neuen Juden", der stolz und seiner Vergangenheit sich bewußt, in den Kampf eintritt, der aber auch würdige Gegner verlangen darf. Der „neue Jude" wird dann auch den völligen Sieg der Idee der Menschheit verwirklichen helfen. Die Grundgedanken der Schrift sind fast durchweg nicht mehr neu. Der Kampf gegen tie Indifferenz ist ja gerade in unserer Gegenwart mit starker Energie von uns Juden unternommen worden, und wir können mit Genugtuung feststellen, daß jüdische Indifferenz, das Zeichen des größeren Teiles des vergangenen Jahrhunderts, immer mehr im Abnehmen begriffen ist. Das ständige Anwachsen unseres Centralvereins, das Zustandekommen des Verbandes der deutschen Juden und viele andere Kennzeichen beweisen das hinlänglich. — Auch in mancher Anschauung-des Verfassers über das Judentum werden wir ihm nicht völlig beipflichten können. Wenn er die Schöpferkraft des Judentums dadurch zeigen will, daß Priester und Propheten