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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 196

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Wir Juden [Rezension]
Date
1907-03-01
Page
196 (sequence 1)
Language
German
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196 Iw deutschen Reich. Wir Juden. CH. Muentz. Verlag von Oesterheld & Co. Berlin 1907. Während noch vor etwa eineinhalb bis zwei Jahrzehnten die Frage, was das Judentum fei, keine andere Antwort erhalten konnte, als Laß man es zu den Religionsgemeinschaften zu zählen habe, ist man heute in weiten Kreisen an dieser Auffassung irre geworden. Man will die Judenheit Zu einer Nation stempeln, ja man hat sogar den Versuch gemacht, das Judentum als eine Idee, einen Begriff darzustellen, der nicht einem Stamme, einer Rasse oder sonst einer Gruppe, in die man die Menschheit zu teilen gewöhnt ist, eignet. Weininger, der in seinem Werke „Geschlecht und Charakter" in diesem Sinne vom Judentum handelt. Zieht den Vergleich zwischen dem Weibe und dem Judentum und spricht wie jenem auch diesem jede Größe ab, gibt beiden die denkbar tiefste Stellung: dem höchststehenden Weibe „noch unendlich tief unter dem tiefststehenden Manne", dem Judentume „unter dem niedrigsten Volkstume irgend welcher anderen Art." Es war schon längst geboten, gegen diese Absträhierung Stellung zu nehmen und zu Zeigen, wie unberechtigt es sei, für diese Begriffsbestimmung den Namen des Judentums zu wählen. Jetzt erst kommt uns in der vorliegenden Schrift zum erstenmal eine Darstellung vor Augen, die in Anlehnung an Weininger das Judentum in gänzlich anderem Lichte erscheinen läßt. Muentz hat zwar an keinem Orte diese Absicht ausdrücklich kundgegeben, aber der Hinweis auf Weininger ist an vielen Stellen zu deutlich, als daß man nicht mit Recht diese Feststellung machen könnte. Allerdings bietet der Verfasser nicht allein eine Widerlegung, ihm ist vielmehr die Aufgabe wichtiger, wie das ja in letzter Zeit mehrfach versucht worden ist, die innere Berechtigung des Antisemitismus zu ergründen und aus ihrer Erkenntnis den Weg zu seiner Beseitigung zu beleuchten. Wir verlangen Gleichberechtigung. Eire solche muß aber dem Charakter der Gleichzustellenden entsprechen. Und hier findet der Verfasser den gesuchten Urgrund alles Judenhasses. Wir Juden haben uns zu Sklaven erniedrigt, die ihr Schicksal ertragen, ohne dagegen anzukämpfen. Aber man haßt den Gegner, der nicht ebenbürtig dasteht; man kämpft mit ihm und achtet ihn, selbst in der Feindschaft, wenn er ein würdiger Feind ist. Und wir Juden können

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