Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Jüdische Apologetik [Rezension]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 194 (sequence 3)
- Language
- German
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194 Im deutschen Reich. und befestigte Charakterbildung und Selbstzucht soll Zu der reinen Höhe edelster Gesinnung führen, und aus der rechten Erkenntnis Gottes soll die Selbstheiligung oder die Heiligung des göttlichen Namens hervorgehen. Scharfe Zurückweisung verdient darum die Verdächtigung und Geringschätzung der Pharisäischen Moral. Ein Grundzug der jüdischen Religion ist der Messianismus, der auf eine glückliche Zukunft hinweist, und zwar nicht bloß für Israel, sondern für die ganze Menschheit. Nicht die Person des Messias spielt hierbei die Hauptrolle, die im Christentum mit göttlicher Macht ausgestattet ist, vielmehr das messianische Zeitalter, das die Idee der Weltbeglückung zur Wirklichkeit werden läßt. Wie die biblische Schöpfungsgeschichte bereits die Einheit des Menschengeschlechts zum Ausdruck bringen will, so wird auch für die Zukunft die Zeit herbeigesehnt, da alle Menschen sich zu einem Bunde vereinigen, um den göttlichen Willen auszuführen. Solch eine Religion, die den Menschen nach den höchsten und edelsten Zielen streben läßt und dem Forschen des Geistes keine Schranken setzt, verdient gewiß nicht, von Männern der Wissenschaft so mißachtet zu werden. Um so bedeutsamer muß aber die Zurückweisung der unberechtigten Herabsetzung unserer Religion erscheinen, als die gegen die jüdische Religion erhobenen Vorwürfe oftmals zur Rechtfertigung der staatsbürgerlichen Zurücksetzung der Juden dienen. Rabb. Di*. Stein-Dresden. K. C. Jahrbuch 1906. Herausgegeben von Dr. Bruno Weil. Verlag von Josef Singer, Hofbuchhandlung, Straßburg i. E. und Leipzig. 1906. Der erste Artikel, mit dem unsere Zeitschrift „Im deutschen Reiche im Juli 1895 eingeführt wurde, enthielt folgenden Kernsatz: „Nemo me Inipune lacessit“ (Keiner reizt mich ungestraft). Dieses Wort muß für jeden Freien, nicht nur für die Edelsten, ein erster Grundsatz der Lebensführung sein. Und so ist es nützlich, so ist es notwendig, daß endlich an die deutsche Juden der laute Ruf ergeht: „Wehrt Euch!" Dieser von uns erhobene Ruf h^.t in allen Teilen Deutschlands und weit über die Grenzen hinaus, wo nur deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens wohnen, Widerhall gesunden und Tausende veranlaßt, sich um das Banner der Selbstverteidigung zu scharen. Und diese Begeisterung für unsere Sache ist keine vorüberrauschende Welle; sie wird weiter Zündend wirken, bis wir das erreicht haben, was wir wollen: „Die Gleichberechtigung der Juden eine