Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Jüdische Apologetik [Rezension]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 193 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 193 herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums). Als erste Schrift des geplanten .Grundrisses der Gesamtwissenschaft des Judentums" ist das Güdemannsche Werk jüngst erschienen. Der Verfasser beabsichtigt nicht, eine Schutzschrift für die Juden Zu schreiben, sondern lediglich die jüdische Religiongegen die Angriffe der wissenschaftlichen christlichen Theologie der Gegenwart Zu verteidigen. Die Rechlfertigung muß natürlich auch ihren Bekennern zu gute kommen. Wenn die christliche Theologie behauptet, daß das Judentum nur ein welker Zweig der alttestamentlichen Religion sei, deren Saft und Lebenskraft durch eine neue Offenbarung in das Christentum hinübergeleitet ist, so bemüht sich Güdemann, unter Heranziehung des wissenschaftlichen Materials, das Verkehrte dieser Anschauung zu enthüllen. Er zeigt zunächst, daß die jüdische Religion einerseits auf Offenbarung beruhe, andererseits aber auch ein Produkt des jüdischen Volksgeistes sei. Emen wichtigen Faktor ihrer Erhaltung und Entwickelung bildet die Tradition, um die sich die viel geschmähten Pharisäer verdient gemacht haben. Aus den Evangelien hat das Christentum die Feindseligkeit gegen die Pharisäer oder Schriftgelehrten, die im Talmud das Wort führen, als ein altes und wesentliches Erbstück übernommen; die Feindseligkeit hat sich dann im Mrttelalter bis zum blinden Haß gesteigert, und je weniger man den Talmud kannte, desto populärer ward der Eifer, ihn zu verlästern/ (S. 34). Diese von den Pharisäern ausgebildete Religion steht keineswegs unter dem Banne der Exklusioirät und nationalen Beschränkung; an. einer Fülle von Beispielen wird im Gegenteil ihr universalistischer Charakter nachgewiesen (Liebe zum Fremden u. a.). Bezüglich des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch muß der Behauptung entgegengetreten werden, daß das Judentum sich in seinem Gottesglauben nicht zum Vaterschaftsverhältnis Gottes und Kmdschastsverhältnis des Menschen aufgeschwungen habe; in Bibel und Talmud finden sich oft genug Bezeichnungen dieser innigsten Gemeinschaft, die um so inniger sein muß, als sie des Mittlers entbehrt. Der wirkliche Charakter der jüdischen Religion wird von der christlichen Theologie seit Paulus auch dadurch verwischt, daß man sie als .Gesetzes"religion bezeichnet. Die .Thora" ist aber nicht .Gesetz", sondern.Lehre", sie enthält einen umfassenden Erziehungsplan. Die durch die Uebung der Gebote erworbene