Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Königsberg i. Pr.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 184 (sequence 3)
- Language
- German
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184 Im deutschen Reich. hindurch intensiv tätig gewesen sei. Und nur ihm sei es zu verdanken, daß dort kein Unschuldiger zuw Tode verurteilt worden sei. Wenn in Könitz der Schuldige nicht ermittelt worden sei, so sei das lediglich dem Vorgehen der Antisemiten Zuzuschreiben. Aber da von Könitz die antisemitische Presse Monate lang gelebt habe, so seien plötzlich aus allen Gegenden Deutschlands, ja aus Berlin selbst, Nachrichten von derartigen Leichensunden ausgetaucht, die von den Antisemiten skrupellos ausgeschlachtet worden seien. Ueberall habe der Verein eingegriffen und schweres Unheil verholet. Wenn in Königsberg die Verhältnisse gut seien, so seien sie anderwärts desto schlechter, zum Beispiel auf dem Lande. Eine politische Rede habe da schon oft ganze Existenzen vernichtet. Der Verein hätte aber niemals Erfolge erzielen können, wenn er nicht den Behörden gegenüber als legitimierter Vertreter der deutschen Juden hätte auftreten können. Aber er müsse auch den Glaubensgenossen selbst das Rückgrat stählen. Und wenn er nichts getan hätte, als den Juden das abhanden gekommene Selbstbewußtsein wiederzugeben, so hätte er schon seine Existenzberechtigung bewiesen. Nach dreizehnjährigem Bestehen zähle er heute 20 000 Einzelmitglietur und eine große Anzahl von Gemeinden als korporative Mitglieder. Leider gehörten ihm in Königsberg nur 15 Prozent der Steuerzahler der jüdischen Gemeinde an, während es in Posen 60 Prozent, in Bromberg 50 Prozent und in Hamburg 35 Prozent wären, Dieses Mißverhältnis müsse sich ändern. Daher begrüßte er, der Redner, freudig die zahlreich anwesenden Frauen und Mädchen. Ihre Sache sei es, das künftige Geschlecht so zu erziehen, daß seine Mitglieder stolz seien auf ihr Judentum, stolz auf ihr Deutschtum, daß sie aufrechte deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens würden, die sich nicht kampflos unterdrücken lassen. Zum Schluß streifte der Redner die letzten Wahlen und sprach in scharfen Worten sein Bedauern über die Stellungnahme der Liberalen und Sozialdemokraten bei einer Anzahl von Stichwahlen aus, in denen beide Parteien zum Siege des Antisemiten beigetragen hätten. Das sei aus blindem Parteihaß geschehen. Aber das allerschlechteste Mittel wäre es, mit diesen Parteien zu brechen, man müsse vielmehr erzieherisch auf sie einzuwirken suchen. Der Kampf des Central-Vereins sei ein entsagungsvoller. Er könne nur geführt werden, wenn der Vorstand wisse, daß die Masse der Glaubensgenossen hinter ihm stehe. Nur dann könne der Verein das