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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 183

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Königsberg i. Pr.
Date
1907-03-01
Page
183 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 183 der anständige Mensch auf, ihr anzugehören, oder aber, wenn er die Vorwürfe als falsch erkannt hat, dann steht er seinen Mann, dann wehrt er sich. Die Vorwürse, die man den Juden mache, seien bekannt. Traurig, daß es demgegenüber noch eines Aufrüttelns bedürfe. Dreißig Jahre seien seit dem Beginn der antisemitischen Bewegung in Berlin durch Stöcker verflossen. Nach dem Milliardensegen sei der Aschermittwoch gekommen. Man habe unter dem Eindruck des Krachs, der der Gründerzeit folgte, nach einem Sündenbock gesucht und geglaubt, ihn in den Juden zu finden. Stöcker habe zwar keine dauernden Erfolge erzielt, wohl aber Nachahmer gefunden. Die Parole sei ja auch sehrbequem gewesen, da sie sich gegen eine verschwindend kleine Minderheit des Volks gerichtet habe. Die Angegriffenen selbst hätten sich jedoch in ihrer abwartenden Ruhe nicht stören lassen. Fünfzehn Jahre antisemitischer Bewegung seien ins Land gegangen, ehe die Juden selbst ihr entgegentraten. Man könne ja den christlichen Männern, die die Abwehr auf sich nahmen, dankbar sein, aber in erster Linie war es Pflicht der Juden selbst, sich zu wehren. Es sei nicht zu verwundern, daß der Kampf der anderen erfolglos sein mußte, solange die Juden selbst abseits standen. Der Central-Verein sei sich bei seiner Gründung der Riesenschwere des Kampfes gegen Freund und Feind bewußt gewesen. Der erste Feind sei das Liebäugeln der Regierung des Fürsten Bismarck mit der Bewegung gewesen, der zweite das Mißtrauen der befreundeten liberalen Parteien dagegen, daß die Juden sich nicht mehr mit der Rolle der Gefolgschaft begnügten, sondern an der Führung beteiligt sein wollten, da es sich doch um ihre wichtigsten Interessen handelte, der allerschlimmste Feind sei jedoch die Indifferenz und Indolenz aller Glaubensgenossen. Wohl seien die Erfolge des Central-Vereins noch nicht allzu groß, aber ohne seine Tätigkeit wäre es noch viel schlimmer gekommen, hätten wir Zustände erlebt, die wir heute für paradox halten würden, hätten wir statt der bloßen verfassungswidrigen Verwaltung einen Rückschritt von Gesetzes wegen gehabt. Redner schildert alsdann die Zurücksetzung der Juden bei den einzelnen Verwaltungsdepartements, indem er namentlich auf das Schulwesen, das Militärwesen und die Justiz eingeht. Ueberall habe der Central-Verein eingegriffen und, wenn auch nicht alles, so doch manches erreicht. Man könne sich nicht vorstellen, welche Arbeit der Konitzer Fall gebracht habe, wo der Verein Jahre

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