Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 181 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 181 60 352,40 Mk. verausgabt habe. Das „Geschäftsjahr" läuft dort vom 1. Januar 1905 bis 31. Dezember 1906. Das sind zwei Kalenderjahre! In Wirklichkeit hat der Verband im letzten Jahre nur 30 582,18 Mk. bei 90 400 Mitgliedern gezahlt, wogegen der Verein der Deutschen Kaufleute 30112,90 Mk. bei 18 623 Mitgliedern im letzten Jahre zahlte. Das wird diejenigen nicht in Verwunderung setzen, die davon Kenntnis haben, daß dieser Verein sich nur den BerufsinLeressen widmet, während der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband einen antisemitischen Nebenberuf hat, der ihn in hohem Maße in Anspruch nimmt. Der Vorstand des „Deutsch-nationalen" Handlungsgehilfenverbandes, Herr Viktor Blobel, erachtet es z. B. offenbar im Interesse dieses Verbandes als dringend nötig, dem durch seine giftigen Schmähungen des Loten Dichters Heinrich Heine auch außerhalb der Mauern Weimars bekannt gewordenen Professor Adolf Bartels zu Hilfe zu kommen. Er hielt deshalb im hiesigen Verein „Allzeit voran" am 4. Februar einen Vortrag über das Thema „Verdient Heinrich Heine ein Denkmal?", in dem er es komischer Weise dem Dichter zum Vorwurf machte, zum Ausdruck jüdischer Empfindungen die deutsche Sprache benutzt zu haben. Herr Blobel, der Heines Werke nur mit einer von Bartels gefärbten Brille gelesen haben dürfte, bezeichnete Heines politische Gedichte als stellenweise widerlich und ekelerregend. Gegen die Errichtung eines Heine - Denkmals hätten sich „hervorragende Leuchten der Wissenschaft und Literatur", in letzter Zeit besonders scharf Bartels ausgesprochen, dessen aufklärender Arbeit es auch zu danken sei, daß endlich einmal die vielen Heineschen Plagiate festgenagelt worden seien. Das deutsche Volk habe Ursache, sich die Auffassung dieser Männer zu eigen zu machen — und, was Herr Blobel zu bescheiden war, hinzuzufügen, — in Weimar, dem Schiller- und Goethedenkmal gegenüber, dem „teutschen" Dioskurenpaare Bartels und Blobel ein Denkmal zu errichten, auf dem sie nicht einen Kranz, sondern Heines „Buch der Lieder" gemeinsam halten, um es zu zerreißen. Unter der Ueberschrift „Antisemiten unter sich" schreibt die „Freisinnige Zeitung:" „Nachdem die deutsch-sozialen Kandidaten in Kassel-Melsungen und Rinteln-Hofgeismar glücklich durchgedrungen sind, ohne daß ihnen die drohende Konkurrenz der antisemitischen Reformer etwas geschadet hat, ergeht sich