Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 178 (sequence 9)
- Language
- German
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178 Jrrr deutschen Reich. abgepreßt, von dem sie kaum eine Ahnung hatten. Jede Geldstrafe, die einen Juden betraf, überstieg das Maß der sonst üblichen Strafen bei weitem, die Todesstrafe, die über einen Juden verhängt wurde, erhielt durch einen besonders schimpflichen Charakter eine Verschärfung. Die Eidesleistungen mußten in einerentwürdigenden Weise erfolgen und den Zeugenaussagen eines Juden gegen einen Christen wurde kein oder nur geringer Glauben Leigemessen. Die Streitigkeiten der Juden untereinander wußten vor einem Rabbinatsgericht zum Austrag gebracht werden. Erst am Ausgang des 18. Jahrhunderts brach eine bessere Zeit für die Juden in Deutschland an, denn die Erklärung der Menschenrechte in Frankreich führte auch in Deutschland zu der Erkenntnis, daß derartige traurige Zustände nicht fortdauern dürften. Es dauerte aber noch viele Jahrzehnte, bis man sich zu der gesetzlichen Anerkennung der Gleichberechtigung entschloß, und selbst heute noch ist sie keine vollständige und sind die Rechte der Juden in Deutschland im Verwaltungswege vielfach eingeschränkt und werden im gesellschaftlichen Leben vielfach gekränkt. Der Kampf um's Recht ist noch nicht zu Ende, er muß weiter geführt werden und wird schließlich doch zum Siege führen. — An den beifällig aufgenommenen Vortrag anknüpfend, drückte der Vorsitzende dem Redner den Dank der Ortsgruppe aus und betonte, daß der deutsche Jude nur sich selbst, seinem Glauben und dem Vertrauen auf sein gutes Recht treu bleiben solle, dann werde er doch sein Ziel erreichen — volle Achtung! — Im Verlaufe der sich anschließenden freien Aussprache erörterte das Vorstandsmitglied, Herr Dr. Jos. Lewy, unter lebhaftem Beifall eine ganze Reihe von Gegenwartsfragen und kennzeichnete dabei die Stellung, die der Central - Vereins - Vorstand bei den Reichstagswahlen eingenommen hat. Das Vorstandsmitglied Herr Sanitätsrat Dr. Wiesenthal führte sodann, wiederholt von Kundgebungen lebhafter Zustimmung begleitet, wirkungsvoll aus, wie die durch den Ausfall der Reichs- Lagswahl geschaffene politische Lage die Juden veranlassen müsse, sich noch fester als bisher an einander zu schließen und jedem Vorurteil durch eine tadellose Haltung zu begegnen. Auch die weitere Debatte, an de. sich der Vorsitzende, sowie Herr Rechtsanwalt Dr. Jonas, Herr Jaffe und Herr Referendar Dr. Heilbrunn beteiligten, nahm einen sehr anregenden Verlauf. A. L.