Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 169 (sequence 16)
- Language
- German
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Umschau. 169 gliedern des „Verbandes der echt russischen Leutes Dieser judenfeindliche Verein verbreitet fortwährend Denkschriften, in denen alle Juden als Revolutionäre bezeichnet und mit Mord und Totschlag bedroht werden. Das mißglückte Attentat auf den von dem Verband als „Judenschützer" angefeindeten Grafen Witte wird deshalb vielfach den „echt russischen Leuten" Zugeschrieben. Es läßt sich unschwer voraussehen, daß die jetzigen Dumawahlen der russischen Regierung den unumstößlichen Beweis dafür liefern werden, daß die 6 Millionen Russen jüdischen Glaubens keineswegs sämtlich einer und derselben politischen Partei angehören, in ihrer überwiegenden Mehrheit vielmehr geeignet wären, das friedfertigste Element der Gesamtbevölkerung Rußlands zu bilden, wenn man ihnen ein menschenwürdiges Dasein und vollständige Gleichberechtigung verbürgte. Rußland krankt vorzugsweise daran, daß die massenhafte bäuerliche Bevölkerung lange absich lich in Unwissenheit gehalten, durch drückende Armut und die Einflüsse der fanatischen Dorfpopen aufrührerisch gemacht wurde, und daß in dem vornehmen Beamtenheer infolge einer viel zu niedrigen Besoldung eine Trinkgeldersucht eingerissen ist, die eine vollständige Reform der Justiz und Verwaltung unerläßlich macht. In dem russischen Judentum, das von diesen schlimmen Einflüssen wohl nur oberflächlich berührt worden ist, steckt aber eine verhältnismäßig hohe Intelligenz, ein Kulturelement, das dem Zarenreiche großen Nutzen schaffen könnte, wenn sich ein leitender Staatsmann fände, der klug genug wäre, dieses Element für die Wohlfahrt der Gesamtbevölkerung nutzbar zu machen. Dazu wäre aber vor allem die religiöse Unbefangenheit nötig, auch die fähigen Leute zu berücksichtigen, die nicht behufs Erlangung von Amt und Würden ihren Glauben preisgeben und damit den Verdacht der Käuflichkeit zulassen, sondern, wenn Amt und Würden nur um diesen hohen Preis zu erlangen sind, schlicht und ehrlich antworten: „Ich verzichte, denn ich bin Jude aus Ueberzeugrrng."