Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Lebenserinnerungen an Moritz Lazarus
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 154 (sequence 5)
- Language
- German
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154 Im deutschen Reich. Auch Lazarus gelang es, selbst den Besten Genüge zu bereiten und auch von ihm kann man sagen, daß er gelebt hat für alle Zeiten. <3$> Umschau. »m mitternächtige Stunde ziehen Tausende jubelnd vor das Königsschloß, uw dort ihrer Freude über den Ausfall der Reichstagswahlen stürmischen Ausdruck zu verleihen. Nun spielt sich vor dem Schlosse eine ergreifende Szene ab, die an die Worte Schillers erinnert: „Und tausend Stimmen riefen: Sieg! Von Feindesnot sind wir befreit, die Kreter hat der Sturm zerstreut!" Der Monarch, den die spontane Huldigung zu einer freudevollen Ansprache an die Volksmassen veranlaßte, war dabei doch vielleicht innerlich an ein anderes Zitat aus Schillers Werken erinnert, wonach man „den Tag nicht vor dem Abend loben" soll, denn er ließ in die Jubelrede die ernste Mahnung einfließen: „Lassen Sie diese Feierstunde nicht als eine vorübergehende Welle patriotischer Begeisterung verrauschen", und er bezeichnete es ausdrücklich als unumstößliche Vorbedingung eines dauernden Erfolges, daß „alle Stände und alle Konfessionen fest und einmütig Zusammenhalten." Dies zu bewirken liegt aber in der Hauptsache in der Hand der Staatsleiter; denn sie hatten auch bei dieser Gelegenheit hinreichenden Anlaß zu der Erkenntnis, daß das Volk, dessen Geschicke sie wesentlich bestimmen, „ein gutes Volk" ist, „in seiner Liebe raschlodernd wie in seinem Zorn". Solche Liebe will stets durch Taren verdient sein, wenn die Begeisterung nicht wie eine vorübergehende Welle verrauschen soll; dazu genügen nicht etwa zündende Worte; denn nur Werke wecken solche Dankesgefühle, die dauernde Zuneigung begründen. Daß der alte raffinierte Politiker Stöcker, der als „Vater des Antisemitismus" wohl zu frohlocken Ursache hatte, weil die bei der Reichstagsauflösung ausgegebene Parole „gegen Schwarz und Rot" zwar die nationale Begeisterung geweckt, nebenher aber auch leider den Niedergang der antisemitischen