Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Die letzten Reichstagswahlen
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 143 (sequence 3)
- Language
- German
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Die letzten Rerchstagsrvahlen. 143 sich bereit fanden, noch einen Schritt weiter zu gehen und direkt den Antisemiten zu wählen, hätte man nicht erwarten sollen. Dieses Verhalten bedeutet ein Aufgeben aller liberalen Grundsätze und hat in unseren Reihen mit Fug und Recht Entrüstung erregt. Die Zentralleitungen verwahren sich gegen den Vorwurf, daß dieses Eintreten für antisemitische Kandidaten in ihrem Sinne gewesen. Dann würde zum mindesten die Tatsache bestehen bleiben, daß sie auf ihre provinzialen und lokalen Organisationen ohne jeden Einfluß gewesen sind. So klar wie dieses Mal ist selten zu Tage getreten, welch demoralisierenden Einfluß die Stichwahlen auszuüben vermögen: der Kuhhandel stand in vollster Blüte, links und rechts war vertauscht. Und so sind die Antisemiten zum größten Teil auf den Krücken links stehender Parteien in den Reichstag eingezogen, ein Umstand, der uns noch bedauerlicher erscheinen muß als die Tatsache selbst. Denn ob unsere Gegner über ein paar Mandate mehr oder weniger verfügen, daran liegt, iw Grunde genommen, nicht so viel. So lange es überhaupt eine politische Vertretung des Antisemitismus im Reichstage gibt, ist die Schmach, die leider nicht nur die des 19. Jahrhunderts geblieben ist, ungetilgt. Aber daß die Anhänger der Linken die Antisemiten den Sozialdemokraten gegenüber als das kleinere Uebel ansahen, die Antisemiten, die an der Grundlage der Staatsverfafsung rütteln und unsere Kultur um Jahrzehnte Zurückschrauben wollen, die an demagogischer Verhetzung das unglaublichste geleistet haben und sich in der Tat als Vorfrucht der Anarchie erweisen, das ist iw höchsten Grade betrübend und das depriwierendste Bild in diesem Kampfe gewesen. Ziffern reden eine deutliche Sprache: Die Antisemiten verdanken allein 9, d. h. nahezu ein Drittel ihrer Reichstagssitze den Parteien der Linken, davon 5 den liberalen Parteien, 3 den Nationalliberalen und 1 den Sozialdemokraten, wie sich aus nachstehender Ausstellung ergibt. Wahlkreis Abgeordneter 1 Hauptwahl | Stichwahl Ausschlaggebend I. 1. Eschwege Schmalkalden j Raab : Antis. 6883 Soziald. 5945 ca. 11000 ca. 8 000 Fr. Volksp. : mit 4668 St. 2. Meißen- Großenhain Gaebel Antis. 6943 Sozd. 14113 17 231 14 921 Kons. 6590 zFr. Volksp. ( 8443