Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 142

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Die letzten Reichstagswahlen
Date
1907-03-01
Page
142 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316757-2337961--16123-2338023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

142 J<deutschen Reich. SonnenLerg (Fritzlar-Ziegenhain), Dr. Burckhardt (Dillenburg- Westerwald), Stöcker (Siegen), Schack (Eisenach-Dermbach), Raab (Eschwege-Schmalkalden), Lattmann (Kassel-Melsungen), Zimmermann (Zschopau - Marienberg), Herzog (Rinteln - Hofgeismar), Werner (Hersfeld - Rotenburg), Bindewald (Alsfeld- Lauterbach) rc., und zu ihnen gesellen sich als neue Größen: Behrens (Witzlar-Altenkirchen), der Adlatus Stöckers, Dr. Böhme (Marburg), Rieseberg (Wanzleben) u. a. m. Da ist es ein schwacher Trost, daß die alten Säulen des Antisemitismus Böckler, Fröhlich und Pfarrer Krösell gestürzt sind und in vier weiteren Wahlkreisen die Antisemiten eine Niederlage erlitten haben. Aber nicht nur mit Rücksicht auf den Mandatzuwachs, den unsere Gegner aufzuweisen haben, muß das Wahlergebnis als ein bedauerliches bezeichnet werden. Auch der erhebliche Stimmenzuwachs, den die antisemitischen Parteien erhielten, ist dazu angetan, den Eindruck zu erwecken, daß der Haß gegen uns doch weitere Schichten erfüllt, als bisher offenbar war. Stiegen doch die antisemitischen Stimmen von 244 543 im Jahre 1903 auf 448 809 in diesem Jahre. Allein im wesentlichen ist dieser Stimmenzuwachs doch zurückzuführen auf die erheblich größere Wahlbeteiligung, die, in Prozenten der Wahlberechtigten ausgedrückt, von 75,8 °/g im Jahre 1903 auf 85,4 °/g in diesem Jahre anstieg. Auch alle anderen Parteien können infolgedessen einen erheblichen Stimmenzuwachs aufweisen. So gewannen die Nationalliberalen über 340 000, die beiden freisinnigen Parteien nahezu 300 000 Stimmen, und selbst die Sozialdemokraten weisen trotz ihrer großen Mandatsverluste ein Mehr von rund Million auf, Zahlen, die beweisen, daß das Anschwellen der antisemitischen Stimmen nicht allzu tragisch zu nehmen ist. Ihr Sieg ist nicht so sehr auf eine Erstarkung der Belegung zurückzuführen, als auf den Umstand, daß die von der Regierung ausgegebene Wahlparole gegen „Schwarz und Rot" gerade den Antisemiten in vielen Wahlkreisen bei der Stichwahl zugute gekommen ist. Der Appell an die nationale Ehre hat, wie unter den gegebenen Verhältnissen nicht anders zu erwarten war, bei Vielen seine Wirkung nicht verfehlt. Selbst manche unserer Glaubensgenossen haben es da, wie z. B. in Eschwege - Schmalkaden, nicht übers Herz bringen können, einem Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben, und so die Wahl des Antisemiten indirekt gefördert. Daß aber Liberale

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.