Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Berlin
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 121 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 121 geltend gemacht, daß zahlreiche Existenzen strenggläubiger Juden durch den Zwang, neben der ihnen durch ihre Glaubenssatzungen vorgeschriebenen SabbaLruhe auch am Sonntag geschäftlich feiern zu müssen, schwer geschädigt, oft geradezu ruiniert würden. Bezüglich der gesetzlichen Gesamtorganisation der preußischen Juden nahm der Raobinerverbcmd dahin Stellung, daß Bezirksrabbinate gegründet werden sollen mit Beitrittszwang, aber freier Auswahl für die einzelnen Gemeinden. Die Bezirksrabbinate sollen möglichst in Provinzial- und Landesverbände ausmünden. Der Zentralausschuß des Rabbinerverbandes sprach sich aber mit aller Entschiedenheit gegen eine konsistoriale oder synodale Organisation aus. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hielt am 5. Januar unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr Philippson ihre Generalversammlung ab. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Feucht mang-Wien namens der dortigen Kultusgemeinde der Genugtuung über das Erscheinen' der „Jüdischen Apologetik" ihres Oberrabbiners, Herrn Dr. Güdemann, Ausdruck gegeben hatte, referierte Herr Dozent Dr. Brann - Breslau über „die Geschichte der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", die mit dem soeben abgeschlossenen Bande ihr erstes Halbjahrhundert beendet. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin sprach über „Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie." In warmen Herzensrönen schilderte Redner die Segenswirkungen des vielverkannten und darum vielverlästerten Talmuds auf die geistige und sittliche Lebenskraft des Judentums, um dann mit der Mahnung zu schließen, unsere geistigen Güter in treuer Hut zu bewahren und zu pflegen. Die Erforschung und Kenntnis unserer Litteratur und Geschichte werde in unseren eigenen Reihen die Liebe zum Väterglauben stärken und Zugleich nach außen hin bezeugen, daß das Judentum einen der wichtigsten Bausteine zur Kulturentwickelung der Menschheit geliefert habe und deshalb zur Mitarbeit an den Kulturausgaben durchaus berufen sei. Langanhaltender Beifall folgte den nahezu eineinhalbstündigen Ausführungen. Der Vorsitzende sprach den beiden Referenten herzlichen Dank aus und schloß die Generalversammlung in der Zuversichtlichen Hoffnung aus ein ferneres gedeihliches Wirken der Gesellschaft.