Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Von schlesischen Bädern
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 101 (sequence 2)
- Language
- German
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Von schlesischen Bädern. 101 Ablehnung nach einer Reklamation damit begründet, daß die Zeitung eingehe. So muß ich nun an dieser Stelle das Wort nehmen: Der Verfasser des Feuilletons zieht scharf gegen die polnisch - jüdischen Badegäste zu Felde, die in letzter Zeit in größerer Zahl die schlesischen Badeorte aufsuchen. Er schildert, .wie „bteje Herrschaften" sich durch „die üblichen Defekte" oder durch die Unsauberkeit schon in der Eisenbahn bemerkbar machen, Abfälle ihrer Nahrungsmittel auf und über den Sitzbänken verschwinden lassen, wie sie in den Badeorten die Einrichtungen, besonders die Moorbäder, ungeheuer in Anspruch nehmen, und, mit oder ohne Nationaltracht, Mißstimmung erregen. „Mit Recht," schreibt der betreffende Verfasser, „treten die Verwaltungen dagegen auf. Denn es ist nicht zu verlangen, daß, wenn diese polnischen Herren sich gebadet haben, andere Leute mit westlicher Kultur vertrauensvoll in dieselben Wannen steigen." Hierzu ist zu bemerken: Wenn man Vertrauen zu der Reinhaltung der Bade-Einrichtungen hat, kann man vertrauensvoll in die Wannen steigen. Wenn man nur davon überzeugt ist, daß jeder Badende frische Moorerde erhält, wird man sich gewiß nicht ekeln. Andernfalls aber wird man Mißbehagen empfinden, selbst wenn ein Redakteur der „Schlesischen Zeitung" vorher in der Wanne gesessen hat! — Und nun gar das, gelinde gesagt, höchst kleinliche „Kaftanverbot"! Seit mann macht denn der Schnitt des Oberkleides den Menschen? Gibt es denn nicht im Smoking einhergehende „Edelste der Ration", die mit Krankheiten behaftet sind, die noch mehr als manche Unsauberkeit Ekel zu erregen und sogar zu infizieren geeignet sind? Es ist wahr, daß in allen — selbst sehr hohen und höchsten — Bevölkerungsklassen Rußlands Bildung und Gesittung arg darniederliegt, daß die ärmeren Schichten, zumal die Juden, vielfach im Ghetto eingepfercht, entrechtet, geknechtet, in Armut, Elend und Schmutz aufwachsen und, vertrieben durch Bedrückung und unmenschliche Masseu-Abschlachtungsn, jenseits der Grenzen eine Zustuchtsstätte aufsuchen, ja, daß sie — horribile dictu — oft „nicht die Mittel besitzen, Taxe und Kosten einer Kur zu bezahlen." Und wenn „in einem Stübchen, das kaum für eine Person Platz bietet, vier solcher Leute gewohnt haben," — warum haben solche Leute wohl diese eigentümliche Passion und bewohnen nicht lieber vier luftige Zimmer?